Das Kunstmuseum hat den grossen Parterre-Raum im Neubau seiner Minimal Art gewidmet. Ausgestellt werden Judd, Agnes Martin, Sol Lewitt, Carl André etc. Dazu noch Knoebel und weitere. Also Minimal mit einigen Abweichungen und der Titel dazu lautet Die Schönheit der Monotonie. Und dann passiert das Schreckliche: man stellt neben die Judd Kuben eine Assamblage von Vierkantröhren (was wohl eine Skulptur darstellen soll), die irgendwie auch minimal oder monoton ist und beweist nur, dass man Minimal nicht verstanden hat.
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Das Elend des Metropolitan
The New Criterion berichtet in der Dezemberausgabe, die heute bei mir eingetroffen ist, über die Vorgänge am New Yorker Metropolitan Museum unter seinem woken Direktor Max Hollein. Man muss das einfach als widerlich bezeichnen, auch was seine weiteren Aktionen als Met Direktor betrifft.
In June, Keith Christiansen (Bild), the museum’s chairman of European paintings, posted to his personal Instagram feed a print featuring Alexandre Lenoir, a figure who tried to save monuments during the French Revolution. „Alexandre Lenoir battling the revolutionary zealots bent on destroying the royal tombs in Saint Denis,“ Christiansen wrote. „How many great works of art have been lost to the desire to rid ourselves of a past of which we don’t approve?“
The post came at a moment of national riots that had quickly moved beyond the dismantling of Confederate monuments to the indiscriminate destruction of any and all public works. „And how grateful we are to people like Lenoir, Christiansen continued, „who realized that their value-both artistic and historical-extended beyond a defining moment of social and political upheaval and change.“
A member of the Metropolitan staff since 1977, Christiansen well understood that the en- cyclopedic museum, including his own, is the direct descendant of Lenoir. From the French Revolution, coming out of the American Civil War, on through the Monuments Men of the Second World War, collecting institutions have saved culture from the forces of destruction. „The losses that occur when major works of art are destroyed by „war, iconoclasm, revolution, and intolerance,“ as he explained, are the enemies of art history, diminishing our „fuller understand- ing of a complicated and sometimes ugly past?‘
Christiansen was denounced for daring to compare Jacobin-like terror to the Jacobin Terror. This fall, he was among the 20 percent of Met staff to announce their retirement, to resign, or to be pushed out. One of his final acts at the museum has been the restoration of the second floor skylights for its collection of European paintings. It took one hundred and fifty years for that light to make the Met what we see today. It might take far fewer for the museum’s future to dim into its unmaking.
The New Criterion, Dez. 2020
The mob comes for the art world
Gold & Ruhm
Ausstellung zur 1000-Jahrfeier des Basler Münsters im Kunstmuseum.
Puccini: La Bohème
Zum Jahresausklang in der Sylvester-Aufführung von La Bohème im Theater. Wunderbare, magische Musik, grossartige Sänger.
Die Inszenierung: wieder eine erzwungene Aktualisierung, die der Musik und der Geschichte nichts Sinnvolles hinzufügt, sie bloss belastet wenn nicht missbraucht. Aber die Musik stammt aus dem 19. Jht., die Geschichte ist in Paris 1830 angesiedelt und der Text ist davon geprägt. Das wird nie 21. Jht., es ist bloss forciert und peinlich.
Das Leid der armen Künstler berührt nicht, auch wenn sie zu schwulen Hip Hoppern und Graffity Artists umfunktioniert werden. Die Sozialkritik kann hier nicht ansetzen. Die Künstler sind lieb und arm und die Reichen bös. Wer sollte davon betroffen sein?Wenn Mimi von ihrem argen Husten singt und dann offensichtlich (Haarausfall) an Krebs stirbt, dann kann das nicht funktionieren, weil es eine Chemo 1830 nicht gab. Etc. etc.
«Le monde de l’art contemporain est lancé dans une fuite en avant»
Interview mit Yves Michaud, philosophe, über die zeitgenössische Kunst: Auf den Preis fixiert, auf Unterhaltung und überaus moralisierend. Michaud hat desgleichen festgestellt, dass wir in einem neuen Zeitalter der Kunst leben. Das Ende der Moderne setzt er auf Ende der 80er Jahre fest. Canto terminiert die Kunst in die 70er Jahre, wie ich auch.
L’art contemporain n’est-il pas lié à la provocation et à la transgression plus qu’à la morale?
C’est un peu ce que pense la sociologue Nathalie Heinich. Sa théorie, en gros, con-siste à dire que l’art contemporain se défi-nit par une pratique banalisée de la provo-cation. Mais la provocation n’a plus aucun intérêt! Elle n’existe que si elle permet de faire parler de soi. S’il y avait vraiment de la transgression, elle serait aussitôt pour-suivie dans le monde complètement mo-ralisateur et judiciarisé où l’on vit. Pre-nons les sujets insupportables: si un ar-tiste s’avisait de produire un truc vrai-ment pédophilique, je suis convaincu qu’il irait en tôle. Tout au plus faut-il se montrer légèrement provocant pour être un bon public relations. Comme Massimo Cattelan: sa banane ne produit pas de ré-chauffement climatique; elle est donc toutà fait acceptable. Avant cela, en 2010, il a fait une sculpture qui a été installée de-vant la Bourse de Milan: un majeur dressé pour montrer ce qu’il pense du système capitaliste… Il est très moral ce Cattelan; il est donc un grand artiste!
Nous sommes entrés dans une période nouvelle de l’histoire de l’art?
J’avais publié un livre en 2003, «L’art à l’état gazeux», pour dire qu’on a changé de monde. Grosso modo, l’art moderne aura duré des années 1880 jusque vers 1990. Après quoi il y a eu une période de flou qu’on a appelée le postmodernisme. Puis on est passé dans autre chose. Soit dans le monde de l’immersif, des atmosphères, des ambiances, etc. Soit dans les plaisante-ries à un million de dollars de l’art contem-porain. Mais on est là dans un monde de spéculateurs, qui n’a rien de magique, où s’appliquent les mêmes recettes que dans la spéculation financière. Par exemple les achats à effets de levier comme le LBO (Le-veraged Management Buy-Out). Cela va du-rer ce que durera cette financiarisation contre laquelle les gens se révoltent désor-mais. Le petit monde de l’art contemporain est lancé dans une fuite en avant. Tout peut s’effondrer d’un coup, comme dans n’importe quel krach financier.
Fuseli
Mit Hape in der Füssli-Ausstellung (hallo!). Sie wurde verlängert, statt bis 12.2. bis 17.2. Vieles da, leider nicht die Nachtmahr. Sehr theatralisch, grosse Gesten, grosse Gefühle – Entsetzen, Furcht, Wahn, Visionen. Helden, Götter und lauter edle, bleiche Frauen. Schön und grosszügig eingerichtet, wenig Publikum.
Tote Städte, lausige Architektur
Vittorio Magnago Lampugnani beschreibt in der NZZ einen offenkundige, selten thematisierten Zustand. Ausgehend von einem Architekturvortrag vor über 100 Jahren, gehalten von einem Hendrik Petrus Berlage, schreibt Lumpagnani:
Es war der niederländische Architekt Hendrik Petrus Berlage, der vor über hundert Jahren diese Auffassung vertrat, und zwar in einem Vortrag mit dem Titel «Baukunst und Impressionismus». Bis dahin waren die städtischen Häuser Gebilde mit komplex artikulierten Hüllen gewesen. Sie waren in Hauptteil, Basis und Attika gegliedert, die jeweils anders gestaltet und oft auch aus anderen Materialien hergestellt waren: der Sockel widerstandsfähig, weil am exponiertesten, und schwer, um Solidität zu vermitteln, die Attika leicht und licht, allenfalls mit kräftigem Gesims, um den oberen Gebäudeabschluss zu markieren. Dazwischen waren die Fenster rhythmisch in die Fassade eingeschnitten, wobei Rahmen oder Faszien den Übergang zwischen Fläche und Öffnung thematisierten.
Die Fensterbänke standen stärker vor, um Wassernasen zu vermeiden, aber auch um dem Fenster mehr Halt in der Wand zu verleihen. Die Fensterläden waren in die Gesamtkomposition integriert. Flächige oder plastische Zierelemente unterstrichen sie und fügten dekorative und erzählende Dimensionen hinzu, die das Haus mit seiner Nutzung, seinem Bauherrn oder einfach nur seiner Zeit verknüpften. All das, so Berlage, war nunmehr anachronistische Verschwendung und würde vom neuen, rasanten Lebensrhythmus dahingerafft werden.
Von da vorwärts zur Gegenwart, mit Häusern und Städten, die gebaut wurden für die Insassen “rasender Automobile”, welche für architektonische Feinheiten weder Zeit noch das Auge haben.
WeiterlesenParis / Louvre etc.
25. bis 29. Januar Paris, Spira im Dojon. Übernachtung im Monterosa, Rue de la Bruyère.
Am 28. im Louvre. Zur Erinnerung der riesige Veronese (Hochzeit von Kanaan). Im selben Saal wie die Mona Lisa. Nur halt so viel interessanter. Der etwas leblose Jesus in der Mitte mit seinem durchdringenden Blick. Ganz links (hier nicht sichtbar) die Braut mit Bräutigam. Dazu die Hunde, die Musiker und tausendundein Symbole. Grosses Kino, wie man so sagt.
Unten die Gilets Jaunes im Original auf dem Boulevard Voltaire. Ganz passend.
Nachtessen jeweils mit Dora und Urs. Auf dem Bild im edlen Vegi-Italiener beim Gare du Nord.
ART 48/2017
Die Fotos: zwei hübsche kleine Calder, der Hokusai von Baumgartner (bei Cristea), fünf kleine Bishops bei Verna, das vergoldete Skelett eines kleinen Engels, Stasia im Hof der Art und im Gespräch mit von Bartha. Dazu ein paar Impressionen von der Unlimited mit einem Aldi-Kind und Hape.
Die Kunst, die Art. Mit Hape an der Unlimited, er mit Karte als VIP First Choice, was immer das heissen mag. Eine Menge Leute, alles VIPs, offenbar. Fast zehn Jahre habe ich für die Art gearbeitet, war an den Sitzungen des Beirats, tempi passati. Kein VIP, obwohl ich doch an der Messe immer wieder Geld ausgebe.
Aber die Unlimited enttäuscht. In den letzten Jahren war sie noch ein Highlight der Messe und hat die Langeweile bei den Galerien etwas entschädigt. Das scheint jetzt auch vorbei.
Im Galerienteil die normierte Langeweile, die kaum mehr entzifferbare Kunst. Alles geht, alles ist sui generis. Da ist nichts mehr zu vergleichen, nichts zu bewerten. Für mich bloss noch ein grosses Kannitverstan.
100 Jahre Ella Fitzgerald

In 1958, Frank Sinatra recorded Billy Strayhorn’s classic torch song “Lush Life”—or, rather, he attempted to. He got about halfway through it when he, in 21st-century speak, “pivoted” and decided, he declared loudly, to “put that one aside for about a year!” Upon hearing the incomplete take, one can only concur with the Chairman’s decision: This is far from a lost Sinatra masterpiece. Rather, it’s a lost Sinatra mistake.
Conversely, Ella Fitzgerald made three important recordings of “Lush Life” in three very different contexts: in 1957 with pianist Oscar Peterson, in 1973 with guitarist Joe Pass, and on a 1968 TV special with Duke Ellington —Strayhorn’s mentor and key collaborator—accompanying her on piano. Or was he? Careful analysis of the videotape by professional pianists reveals that even though it’s Duke on camera, the soundtrack accompaniment is probably actually being played by her regular accompanist at the time, Jimmy Jones.
Clearly, neither Sinatra nor Ellington was comfortable with “Lush Life”—even though Sinatra had sung many songs that were just as musically difficult (and intimately personal), and Ellington was closer to Strayhorn than anyone; he, of all people, should have been willing and able to play it.
Zum Artikel im WJS: Auf Spotify wird bei der Aufnahme oben als Pianist Oscar Peterson angegeben. Auf dem dazugehörigen Plattencover ist Duke Ellington abgebildet, und der wahre Pianist ist nun möglicherweise Jimmy Jones. Egal. Traumhafte Aufnahme.
Shiva–Paris und Riehen
Links der Shiva, gekauft Ende November in Bombay, gegossen gemäss Händlerangabe in den vierziger Jahren des letzten Jahrhunderts, rechts der Shiva im Musée Guimet in Paris, ca. 12. Jahrhundert. Die Position ist dieselbe. Die Höhe, ca. 50 cm, ist ebenfalls fast gleich. Sie stammen beide aus der Gegen des heutigen Tamil Nadu. Die alte Bronze stammt aus dem Chola Reich.
Mein Shiva hat nicht die selben, selbstverständlichen und überzeugenden Proportionen wie jener aus Paris. Der Kopf scheint etwas in die Länge gezogen, die Beine zu schlank. In der Realität sieht der Riehener Shiva aber besser aus als der Pariser.
Das Guimet hat eine kleine, aber exquisite Sammlung an Chola Bronzen, aber aufgestellt sind sie sehr ungeschickt. Es handelt sich ausschliesslich um Rundplastiken, sollten also von allen Seiten einsehbar sein. Aber die Ausstellungsverantwortlichen haben es in der Tat fertig gebracht, einzelne Vitrinen direkt an die Wand zu stellen oder so nahe nebeneinander, dass nur die Front gut einsehbar ist.
Twombly im Centre Pompidou
Das Centre Pompidou beging am 4. Februar 2017 sein 40jähriges Bestehen (!). Es hat den Test der Zeit nicht bestanden. Es altert schlecht und wirkt altmodisch, aufdringlich und seine Architektur ideologisch motiviert. Es sprengt die Dimensionen des Viertels.
Im fünften Geschoss die Sonderausstellung Twombly mit Werken aus allen Schaffensphasen, darunter die grossformatigen letzten Bilder mit ihrem expressiven rot/gelb.
Die frühen Arbeiten sind weniger als definitive Werke sondern vielmehr als Prozesse des Suchens, Entwerfens, sich Vortastens zu lesen. Und bei aller Intellektualität eine kindlich anmutende Naivität vermuten lassen, mit einer stets gleichbleibenden Handschrift. Woher die Attraktivität gerade dieser Bilder kommt, ist schwer zu verstehen, aber sie ist unzweifelhaft da.
Sammlung Chtchoukine in der Fondation Vuitton
Auf vier Etagen die Sammlung, schlicht überwältigend. Jeder Raum eine vollwertige Ausstellung für sich: Monet, Cézanne, Gaugin, der frühe Picasso, Matisse, die Konstruktivisten, und dabei diverse Künstler, heute vergessen, aber von nicht minderer Qualität.
Unvergleichlich der Gaugin, eine Szene vor byzantinischem Goldgrund, ein tiefreligiöses Werk. Schwierig, sich danach noch auf anderes zu konzentrieren.
Robert Doisneau
In den 70er Jahren stellte Anita Neugebauer Doisneau in ihrer Fotogalerie aus. Dabei war ein Foto einer Akkordeon-Spielerin mit geschlossenen Augen. Ich nahm an, dass sie blind sei. Ob das Foto so angeschrieben war oder ich einfach nur den Eindruck hatte, weiss ich nicht mehr. Jedenfalls war ich drauf und dran, das Bild zu kaufen. Habe es dann aber nicht getan. Jetzt erscheint die Akkordeon-Spielerin wieder in dem Arte-Film über Doisneau und sie ist definitiv nicht blind. Ich kann noch etwas nachempfinden, was mich an dem Foto faszinierte. Es war wohl auch ein sentimentales Empfinden.













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