Auf der Constellation McEwans neuestes Buch “Nussschale” gelesen, resp. gehört. Alles ist gut, wie so häufig bei McEwan, und dann kommt ein deprimierender Schluss. Seine elastische Sprache, sein Humor, sein Witz und seine unendliche Erfindungsgabe begeistern, wäre er nicht im Grunde doch so konventionell und würde immer das unerfreulichste Ende erwarten bzw. fabrizieren. Eine Ausnahme bildet Saturday, das ganz ungewohnt auf einer positiven Note endet. Eine happy family, welche das Grauen einer Geiselnahme überstanden hat. Nicht so die Nussschale. Das Ungeborene leitet im entscheidenden, für die Mutter und ihren Liebhaber ungünstigsten Moment die Geburt ein, was sie unweigerlich ins Gefängnis bringt. Was soll der Leser (Hörer) damit anfangen? Soviel Witz und Ironie in der Welt-Kommentierung des Fötus, und dann eine Mischung von Biederkeit und tiefster Skepsis als Ende. Hier nicht anders als in Solar, wo der Held am Schluss als Strafe für all seine (den Leser höchst erheiternden Bösartigkeiten) zu schlechter Letzt in die tiefsten Abgründe gestürzt wird.
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