Donald Hoffman erläutert am SAND-Kongress (Science and Non Duality) sein Konzept von Bewusstsein und Realität. Auf dem Podium diskutiert er zusammen mit Daniel Dennett und David Chalmers. Das ist ziemlich viel Prominenz und zeigt die Position von Hoffman an.
Kant hätte kein Wort verstanden, aber dem meisten wohl zugestimmt. Die Welt hinter der Wahrnehmung, wie sie Hoffman darstellt, entspricht weitgehend dem kantischen Noumenon. Eine Welt ohne Raum, Zeit, Kausalität und Substanz. All dies wird vom Verstand (Mind) erstellt. Auch Schelling wäre zufrieden, sieht er doch Bewusstsein als Eigenheit aller Elemente, von den einfachsten Partikeln bis zum Menschen, natürlich in zunehmender Intensität. Für Schelling ist alles beseelt, was wohl auf das gleiche herauskommt wie die bewussten Agents von Hoffman. Auch Hume könnte vielem zustimmen. Die Kausalität in der von uns wahrgenommenen Realität gibt es nicht. Was wir sehen ist die Benutzeroberfläche, die Objekte sind Symbole – wie Icons auf dem Bildschirm. Auf dieser symbolischen Ebene gibt es keine kausalen Beziehungen, das spielt sich in der von uns nicht wahrnehmbaren Welt hinter der Erfahrung ab. Das hat vor 20 Jahren oder so auch schon Noerretranders gesagt.
Schwieriger zu verstehen ist Hoffmans mathematische Abbildung des Bewusstseins. Das Zusammenführen von Bewusstsein und Mathematik mag realitätsfremd und vielleicht absurd sein, es hat zumindest eine gewisse Faszination.
Dennett hat keine Freude, fragt sich, weshalb Hoffman diesen Weg gewählt hat (abgekommen vom richtigen, offenbar) und stellt seine Position kurz zusammengefasst dar. Bewusstsein ist ein Pseudoproblem, der Begriff des Hard Problems ist für ihn ein Djingle, ein endlos wiederholter Slogan, ohne Inhalt. Bewusstsein ist die Wahrnehmung unserer Gehirnaktivität. Punkt. Kein Geheimnis, nichts Aufregendes.
Am gleichen Kongress ist Spira dabei. Er kommt ohne die “Welt an sich” hinter der Wahrnehmung aus. Die andere Extremposition bezogen auf Dennett, für den es als überzeugten Monisten auch nur eine Ebene der Realität gibt, die materielle. Allerdings liesse sich Hoffman mit Spira “versöhnen”, denn auch Spira anerkennt die Aktivität des Mind als aktiv tätiges Bewusstsein. Und Hoffman sagt sogar, all there is is consciousness.
Wo mir Hoffman am meisten in die Quere kommt ist sein ungebremster Darwinismus. Er gehört fest zu seinem Konzept. Interessant aber irgendwie jenseits meines Verständnisses die Interpretation des Raums als risikominimierender Code.
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