Robert Anton Wilson und Bertrand Russell und die Welt im Kopf

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Der folgende Ausschnitt aus Robert Anton Wilsons “Quantum Psychology” zeigt das Allernormalste, Allgemeinste, total Unbezweifelte als das völlig Sinnlose. Die Zweikopf-Theorie nach Russell.

Die Darstellung in Wilsons Buch hat mich seit Jahren verfolgt. Das Buch, woraus sie stammt, irgendwo im Haus, unauffindbar. Vielleicht in den Kisten im Keller an der Riehentorstrasse. Ev. weggeworfen.

Lange habe ich nach Colin Wilson gesucht, ein anderer Spinner, aber das war der falsche Wilson. Heute gerät mir “Schrödingers Katze” von R.A. Wilson in die Finger und ich komme der Sache näher. Suche im Internet, finde die Quantum Psychology und weiss (80%), das ist das Buch. Auf deutsch längst vergriffen, nur noch für 210€ zu haben. Aber englisch noch greifbar, und erst noch auf Kindle. Und hier unten die heisse Stelle.

Die Sache ist einfach umwerfend. Phänomenal im wahrsten Sinne des Wortes. Und kein Mensch redet darüber. Niemand scheint es zu merken. Und es geht um nichts weniger, als die völlig unbestrittene wissenschaftliche Weltdarstellungs- und Erfahrungstheorie. Aber da ist gewaltig der Wurm drin. Warum fällt das niemandem auf? Warum schreit niemand?

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Schelling (1)

imageDie Monographie zu Schelling von Jochen Kirchhoff fertig gelesen.

Das K. zu S. ein tiefes und grundlegend positives Verhältnis pflegt, ist unübersehbar. Also ist das keine distanzierte Darstellung. Vorbehalte kommen von K. lediglich in Form von kritischen Äusserungen etwa zu Sprache (Verständlichkeit), Organisation oder Unvollendetheit der Gedanken.

Aber das Büchlein ist ganz hervorragend und gibt einen enorm hilfreichen Überblick über die Entwicklung und inneren Zusammenhänge des deutschen Idealismus zwischen Kant und Schoppenhauer.

Und die Zitate sind jeweils gut gewählt und lassen erkennen, welche gewaltiges Ringen hinter dem Gedankengebäude Schellings steht.

Und ich gewinne den Eindruck, dass von allen, mir wichtigen Philosophen deutscher Sprache – als da wären Kant, Fichte, Schelling, Hegel, Schopenhauer, Nietzsche, Steiner, Husserl, Heidegger – Schelling in all seiner Buchstückhaftigkeit mir der wichtigste sei.

Mit fällt jetzt gerade dieses Zitat ein:

Die Freiheit liegt im Sein, nicht in der Tat.

Dahinter steht ein grosses, esoterisches Gebäude das wohl kein zeitgenösscher Denker mehr zu betreten wagte. Ausser vielleicht Kirchhoff selbst und ein paar andere, die aber keinen offiziellen, akademischen Anspruch erheben dürfen sondern sowohl im universitären wie medialen Betrieb bestenfalls als Kuriositäten gehandelt werden, was massgeblich zur geistigen Dürre unserer Gegenwart beiträgt.

Google Books

The Nature of Reality

A Dialogue Between a Buddhist Scholar and a Theoretical Physicist.

Alan Wallace, a world-renowned author and Buddhist scholar trained by the Dalai Lama, and Sean Carroll, a world-renowned theoretical physicist and best-selling author, discuss the nature of reality from spiritual and scientific viewpoints. Their dialogue is mediated by theoretical physicist and author Marcelo Gleiser, director of Dartmouth’s Institute for Cross-Disciplinary Engagement.

Recorded February 9, 2017
Nourse Theater – San Francisco, CA

p. Für mich – jedenfalls – ganz erstaunlich und erfreulich, was sich auf diesem YouTube alles abspielt und zugänglich ist. Das Video bringt die Auseinandersetzung zwischen einem Physiker und einem Buddhisten und der Physiker entwickelt in aller nur wünschbaren Klarheit den materiellen Blickwinkel zum Verständnis von Ich und Welt. In dieser Interpretation (narrative) gibt es kein Bewusstsein im Sinne einer materiell unabhängigen Entität. Was es gibt ist die Interaktion der atomaren Bestandteile von Gehirn und Körper, und die erklären auf ihrer Ebene alles. Eine davon unabhängige Instanz müsste energetisch in dieses System eingreifen. Wir können nichts derartiges feststellen.

Wallace zitiert eine Reihe eminenter Physiker welche den materialistischen Fundamentalismus nicht unterschreiben und auf ihr Unwissenheit diesbezüglich verweisen. Ein interessanter Punkt von Wallace: wir beziehen uns in unserem Wissen fast ausschliesslich auf die Aussagen weisser, europäischer oder amerikanischer Wissenschaftler aus dem 20. Jht. In Asien hat man die Fragen nach der Realität der Welt und von Bewusstsein seit 5 tausend Jahren untersucht. Und ihr Wissen wird zumindest auf wissenschaftlicher Ebene nicht aufgenommen. Schliesslich sagt er auch noch einiges über Reinkarnation, die für ihn anscheinend ausser Frage steht.

https://youtu.be/pLbSlC0Pucw

Friedell / Nietzsche

Nietzsche sagt: »es gibt zweierlei Leidende, einmal die an der Überfülle des Lebens Leidenden … und sodann die an der Verarmung des Lebens Leidenden, die Ruhe, Stille, glattes Meer, Erlösung von sich durch die Kunst und Erkenntnis suchen, oder aber den Rausch, den Krampf, die Betäubung, den Wahnsinn. Dem Doppelbedürfnisse der letzteren entspricht alle Romantik in Künsten und Erkenntnissen.« Und damit stoßen wir auf die tiefste Bedeutung, die das Wort »Reaktion«, angewendet auf jene Zeit, besitzt: sie reagiert auf die erzwungene Lebensverarmung durch Selbstbetäubung im Krampfe des Rausches oder der Erstarrung. Rahel Levin nannte den Gesellschaftszustand »die unendliche Tiefe der Leere«, was ein sehr kompetenter Beurteiler, nämlich Metternich, als »eine wahrhaft genialische Inspiration« bezeichnete.

p. Was kann man Besseres sagen als über die Gegenwart, oder 150 Jahre später?