Zweig und Nietzsche

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In “Der Kampf mit dem Dämon” charakterisiert Stefan Zweig Nietzsche mit grosser Geste und Intensität. Und er hat offensichtlich auch immer sich selbst im Blick und misst sein eigenes Tun und Erleben an diesem getriebenen Geist, ohne dies allerdings je offen zu legen. Ein paar Zitate aus dem Buch (in welchem auch Hölderlin und Kleist und ihren Dämonen nachgegangen wird).

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Nehmen wir Goethe – immer wieder ihn, die sinnfälligste aller Erscheinungen – als den Prototyp einer organischen Natur, die geheimnisvoll mit dem Weltlauf im Einklange steht, so sehen wir, dass die Formen seiner Entwicklung symbolisch die Lebensalter spiegeln. Goethe ist überschwenglich-feurig als Jüngling, besonnen-tätig als Mann, begrifflich-klar als Greis: der Rhythmus seines Denkens entspringt organisch der Lebenstemperatur seines Blutes. Sein Chaos ist im Anfang (wie immer beim Jüngling), seine Ordnung am Ende (wie immer beim Greis), er wird konservativ, nachdem er Revolutionär gewesen, wissenschaftlich aus anfänglichem Lyrismus, selbstbewahrend nach anfänglicher Selbstverschwendung.

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