Die erste Hälfte der zwei Staffeln mit je 12 Folgen von Shtisel gesehen. Sehr eindrücklich. Eine Familie, Menschen, fest eingebunden in ihrem Glauben. Und die Frage stellt sich: was gibt ihnen ihr Glaube, ihre Rituale und endlosen Vorschriften? Haben sie den Ungläubigen (jeder Couleur) etwas voraus in Sachen Sicherheit, Zuversicht, Lebensfreude? Der Film verneint es. Allerdings auch: was haben die Glaubenslosen an Vorteilen? Was ist der Preis, den sie (wir) für die tatsächliche oder scheinbare Freiheit bezahlen?
Archiv für den Monat Februar 2019
The World According to Karl

Am 19. Februar ist Karl Lagerfeld gestorben. Einer der kreativsten, gescheitesten Zeitgenossen. Gescheit im Sinne von lebensgescheit. Aus dem Buch ein paar zufällige Zitate:
You have to lead your life according to your ideas. Spend all your money and live life in line with what you are fighting for.
I hate it when rich people try to be Communists. I think that’s obscene.
If you throw your money out of the window, do it with passion. Don’t say ‚you shouldn’t do that, that’s bourgeois.
Luxury is freedom of spirit, independence, basically political incorrectness.
The essential thing is not that people should sit on their money. It has to come out of their pockets.
What is this obsession always to be with people. Solitude is the biggest luxury.
WeiterlesenFuseli
Mit Hape in der Füssli-Ausstellung (hallo!). Sie wurde verlängert, statt bis 12.2. bis 17.2. Vieles da, leider nicht die Nachtmahr. Sehr theatralisch, grosse Gesten, grosse Gefühle – Entsetzen, Furcht, Wahn, Visionen. Helden, Götter und lauter edle, bleiche Frauen. Schön und grosszügig eingerichtet, wenig Publikum.
Ludmilla Petrushevskaya: Zwei Schwestern
Die Kurzgeschichte in der Paris Review Winter 2018. Zwei alte, mausarme Schwstern leben in einer kleinen Wohnung. Sie überleben mit dem absoluten Minimum. Das heisst, bis eine dem Tod nahe ist. Die andere, jüngere streicht ihr als letzte Hoffnung eine Paste auf die Lippen, glaubt dann, dass sie damit die ältere vergiftet habe und tut sich deshalb verzweifelt das selbe an. Aber sie sterben nicht, sondern in magischer Metamorphose erwachen sie aus einer Ohnmacht als Mädchen von 12 und 13 Jahren.
Soviel Magie und Realismus zusammen ist wohl nur in Russland möglich. Witz und Tragik so nah beisammen.
Wikipedia: Lyudmila Stefanovna Petrushevskaya (Russian: Людмила Стефановна Петрушевская; born 26 May 1938) is a Russian writer, novelist and playwright. She began her career writing and putting on plays, which were often censored by the Soviet government, and following perestroika, published a number of well-respected works of prose.
She is best known for her plays, novels, including The Time: Night, and collections of short stories, notably There Once Lived a Woman Who Tried to Kill Her Neighbor’s Baby. In 2017, she published a memoir, The Girl from the Metropol Hotel.[1] She is considered one of Russia’s premier living literary figures, having been compared in style to Anton Chekhov[1] and in influence to Aleksandr Solzhenitsyn.[2] Her works have won a number of accolades, including the Russian Booker Prize, the Pushkin Prize, and the World Fantasy Award.[3]
Her creative interests and successes are wide-ranging, as she is also a singer and has worked in film animation, screenwriting, and as a painter.[4]
Simone De Beauvoir

INTERVIEWER [Paris Review]
Some people think that a longing for God underlies your works.
DE BEAUVOIR
No. Sartre and I have always said that it’s not because there’s a desire to be that this desire corresponds to any reality. It’s exactly what Kant said on the intellectual level. The fact that one believes in causalities is no reason to believe that there is a supreme cause. The fact that man has a desire to be does not mean that he can ever attain being or even that being is a possible notion, at any rate the being that is a reflection and at the same time an existence. There is a synthesis of existence and being that is impossible. Sartre and I have always rejected it, and this rejection underlies our thinking. There is an emptiness in man, and even his achievements have this emptiness. That’s all. I don’t mean that I haven’t achieved what I wanted to achieve but rather that the achievement is never what people think it is. Furthermore, there is a naïve or snobbish aspect, because people imagine that if you have succeeded on a social level you must be perfectly satisfied with the human condition in general. But that’s not the case.
WeiterlesenDarwin’s Theory is not Science
Er gehört zu meinen Intellektuellen-Helden (heroes) – David Berlinski. Elegant, entspannt, eloquent formuliert er seine Vorbehalte zum Darwinismus.
Die eingeblendeten Bibelsprüche am Schluss darf man getrost vergessen. Berlinski selber dürfte kaum Freude daran haben. Er bezeichnet sich als Atheist.
Tote Städte, lausige Architektur
Vittorio Magnago Lampugnani beschreibt in der NZZ einen offenkundige, selten thematisierten Zustand. Ausgehend von einem Architekturvortrag vor über 100 Jahren, gehalten von einem Hendrik Petrus Berlage, schreibt Lumpagnani:
Es war der niederländische Architekt Hendrik Petrus Berlage, der vor über hundert Jahren diese Auffassung vertrat, und zwar in einem Vortrag mit dem Titel «Baukunst und Impressionismus». Bis dahin waren die städtischen Häuser Gebilde mit komplex artikulierten Hüllen gewesen. Sie waren in Hauptteil, Basis und Attika gegliedert, die jeweils anders gestaltet und oft auch aus anderen Materialien hergestellt waren: der Sockel widerstandsfähig, weil am exponiertesten, und schwer, um Solidität zu vermitteln, die Attika leicht und licht, allenfalls mit kräftigem Gesims, um den oberen Gebäudeabschluss zu markieren. Dazwischen waren die Fenster rhythmisch in die Fassade eingeschnitten, wobei Rahmen oder Faszien den Übergang zwischen Fläche und Öffnung thematisierten.
Die Fensterbänke standen stärker vor, um Wassernasen zu vermeiden, aber auch um dem Fenster mehr Halt in der Wand zu verleihen. Die Fensterläden waren in die Gesamtkomposition integriert. Flächige oder plastische Zierelemente unterstrichen sie und fügten dekorative und erzählende Dimensionen hinzu, die das Haus mit seiner Nutzung, seinem Bauherrn oder einfach nur seiner Zeit verknüpften. All das, so Berlage, war nunmehr anachronistische Verschwendung und würde vom neuen, rasanten Lebensrhythmus dahingerafft werden.
Von da vorwärts zur Gegenwart, mit Häusern und Städten, die gebaut wurden für die Insassen “rasender Automobile”, welche für architektonische Feinheiten weder Zeit noch das Auge haben.
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