Wunderbar erzkonservativer Katholizismus

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Ein Interview in der NZZ mit Gerald Goesche, “Chef” einer erzkonservativen Kirch in Berlin. Das wäre so etwas, wo der Glaube wieder eine Heimat finden könnte.

Warum ist Ihnen die Pflege der alten Liturgie ein solches Anliegen?

Weil ich finde, dass sie auch da sein muss, und sei es nur als Erinnerung. Es kann nicht sein, dass etwas, was gestern das Heiligste war, auf einmal nicht mehr geht. Das ist unmöglich. Als ich zum ersten Mal den alten Ritus erlebt habe, war ich überwältigt. In der neuen Messe ist alles so laut. Dieser Lautsprecher macht mich wahnsinnig.

Wünschten Sie sich, dass sich der alte Ritus wieder durchsetzt?

Was der liebe Gott daraus macht, ist nicht meine Sache. Ich bin weder Bischof noch Papst, sondern nur für meinen kleinen Laden verantwortlich. Das ist vielleicht auch besser, sonst würde ich bestimmt irgendwelchen Unsinn anrichten.

In Ihrer Kirche wird die Mundkommunion praktiziert. Wie würden Sie reagieren, wenn ich bei Ihnen zur Kommunion käme und die Hände ausstreckte?

Ich gebe keine Handkommunion. Wenn jemand kommt und die Hände ausstreckt, hat der Ministrant die Anweisung, die Patene sanft über die Hand gleiten zu lassen. In neunzig Prozent der Fälle wirkt das. Aber es gibt auch Leute, die Diskussionen anfangen. Ich finde das unhöflich. Wenn man hier ist, hält man sich an den Hausbrauch.

Der Papst erlaubt aber die Handkommunion.

Das sticht nicht. In den Ostriten gibt es auch keine Handkommunion, obwohl es im Westen erlaubt ist. Die Verschiedenheit ist ein Reichtum der Kirche, wir müssen nicht alles angleichen.

Erzkonservativ? Wir sind noch schlimmer.

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Universalienstreit

Friedell: Kulturgeschichte der Neuzeit (Pos. 1520)

Egon Friedell um 1935. Sein Lebenswerk ist die dreibändige "Kulturgeschichte der Neuzeit".  (picture alliance / IMAGNO/Austrian Archives)

Der Zentralgedanke des Mittelalters, gleichsam das unsichtbare Motto, das über ihm schwebt, lautet: universalia sunt realia; nur die Ideen sind wirklich. Der große »Universalienstreit«, der fast das ganze Mittelalter erfüllt, geht niemals um den eigentlichen Grundsatz, sondern nur um dessen Formulierungen. Es gab bekanntlich drei Richtungen, die einander in der Herrschaft ablösten. Der »extreme Realismus« behauptet: universalia sunt ante rem, das heißt: sie gehen den konkreten Dingen vorher, und zwar sowohl dem Range nach wie als Ursache; der »gemäßigte Realismus« erklärt: universalia sunt in re, das heißt: sie sind in den Dingen als deren wahres Wesen enthalten; der »Nominalismus« stellt den Grundsatz auf: universalia sunt post rem: sie sind aus den Dingen abgezogen, also bloße Verstandesschöpfungen, und er bedeutet daher in der Tat eine Auflösung des Realismus: seine Herrschaft gehört aber, wie wir später sehen werden, nicht mehr dem eigentlichen Mittelalter an.

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