Maria Netter

Ich war knapp dreissig, sie knapp 60 als ich sie kennenlernte. Ich junger Redaktor der Schweizerischen Finanzzeitung, sie bekannte und brotlose Kunstkritikerin. Knapp zehn Jahre arbeiteten wir zusammen.

Es war mehr als Arbeit. Zwei, drei Mal pro Monat gingen wir in die Kunsthalle, machten gemeinsame Kunst-Reisen nach Berlin, Paris, Stuttgart und an die Documenta in Kassel. Selbst Ferien verbrachten wir gemeinsam in Marina die Massa in der Toscana. im Hotel Nedy, damals bekannt unter Schweizer Medien-Intellektuellen dank hervorragender Küche.

Wir diskutierten unentwegt über Kunst und Welt, doch offenbar kaum oder gar nichts Privates. Dass sie nicht Baslerin war, sie sprach das beste Baseldeutsch das ich bis anhin gehört hatte – samt Bodeduech und Badstube – wäre mir nie in den Sinn gekommen. Aber sie war von Geburt Berliner Jüdin, vor dem Krieg zum Studium nach Basel gekommen, konvertierte und befasste sich fortan mit Kunst. Nichts von alledem kam jemals zur Sprache, was vor Basel war.

Das Buch zeigt Netter als hervorragende Kunstkritikerin und ich bin überrascht von der Qualität der Beiträge, soweit sie hier abgedruckt oder zitiert werden. Nur nebenher und kurz wird auf ihre Arbeit als Kunstmarkt-Expertin hingewiesen. Die Finanz-Zeitung wird erwähnt, aber wenig Substanzielles dazu gesagt. Schade.

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Hector Obalk–Michelangelo

In drei Folgen seiner Dokureihe wirft Hector Obalk seinen strikt subjektiven und unkonventionellen Blick diesmal auf das Werk des großen Michelangelo (1475-1564). Der zweite Teil beleuchtet die Entstehung von Michelangelos berühmtem Deckengemälde in der Sixtinischen Kapelle zwischen 1508 und 1512.


Obalk ist anders als alle anderen. Die Bestandesaufnahme durch seine Person mit seinem Team mit der Kamera mit allen Hilfsmitteln unter den jeweiligen, nicht voll kontrollierbaren Umständen – das alles wird Teil des Berichts selbst.

Und er deckt unverfroren allerhand Abseitiges und Auffälliges und Merkwürdiges auf und bewegt sich sehr elastisch auf der äussersten Oberfläche der Erscheinung (nicht physisch gemeint). Wunderbar.