D.B. Hart über Materialismus und seine Alternativen

Mit „All is Full of Gods“ hat David Bentley Hart ein vielschichtiges und differenziertes Werk zum Thema „Philosophy of Mind“ verfasst. Die 500+ Seiten nehmen den Leser mit auf eine wilde Fahrt durch Argumente und Gegenargumente und ein verwirrendes Spektrum verschiedenster Aspekte der damit verbundenen Fragen. Aufs Äusserste reduziert hat Hart seine Ansichten dazu in einer Diskussion mit der Templeton Foundation niedergelegt. Ein Transkript liegt dazu vor, desgleichen eine KI-verfasste Übersetzung.

Transkript e/d

McGilchrist: The Coincidence of Opposites

Ralston College presents a lecture by Dr Iain McGilchrist followed by a discussion with Dr Stephen Blackwood and questions from the audience. In his lecture Dr McGilchrist deals with certain themes that are treated at greater length in his recent book The Matter With Things. He focuses especially upon the coincidence of opposites (coincidentia oppositorum), which he explores

Zu jeder tiefen Wahrheit gehört ihr Gegenteil, die ebenso tief und “wahr” ist. Die endgültige Wahrheit liegt nicht in der Mitte, sie ist kein “Kompromiss”, sondern liegt im Spannungsfeld als “Gestalt”, mit der umfassenden Erfahrung in der rechten Hirnhälfte.

Die Religion als das Soziale

Im fulminanten Schlusskapitel von “Die Literatur und die Götter” beschreibt Roberto Calasso in einem kurzen Absatz, wie das Soziale sich das Religiöse einverleibt hat.

In einem Jahrhundert, das, wie das neunzehnte, Erschütterungen und Umwälzungen jeder Art erlebt hat, ist das Ereignis, das sie alle zusammenfasst, unbemerkt geblieben: die Pseudomorphose zwischen Religiösem und Sozialem. Worin alles zusammenlief, war nicht so sehr Durkheims Satz: Das Religiöse ist das Soziale«, als vielmehr die Tatsache, dass dieser Satz plötzlich natürlich klang. 

Im Verlauf des Jahrhunderts war es gewiss nicht die Religion gewesen, die, wie Hugo und viele andere in seinem Gefolge behaupteten, neue Bezirke jenseits der Liturgien und Kulte erobert hatte, sondern das Soziale, das allmählich weite Bereiche des Religiösen erfasste und annektierte: Zunächst überlagerte es das Religiöse, dann ging es mit ihm eine abnorme Vermischung ein, und schliesslich gelang es ihm, es sich einzuverleiben.

Am Ende war nichts übrig als die nackte Gesellschaft, die aber jetzt über all die Kräfte verfügte, die sie vom Religiösen geerbt, das heisst: ihm gewaltsam entwendet hatte. Das neunzehnte Jahrhundert ist das Jahrhundert ihres Triumphes. Die soziale Theologie macht sich von jeder Abhängigkeit frei und kehrt ihre Eigenart hervor: Sie besteht in der Tautologie, in der Reklame. Die Stosskraft der totalitären politischen Formen lässt sich nicht erklären, wenn man nicht erkennt, dass der Begriff der Gesellschaft selber eine unerhörte Macht, die vorher im Religiösen beschlossen lag, in sich aufgenommen hat.

Was daraus folgt, sind die Liturgien in den Stadien, die positiven Helden, die fruchtbaren Frauen, die Massaker. Antisozial zu sein wird gleichbedeutend mit einer Sünde wider den Heiligen Geist. Ob Rassen- oder Klassenideologie, macht keinen Unterschied: Wenn der Feind vernichtet werden soll, wird als einziger Grund stets angeführt, es handele sich um schädliche Elemente für die Gesellschaft. Die Gesellschaft ist das Subjekt über allen Subjekten; wenn es um ihr Wohl geht, lässt sich alles rechtfertigen – in einer ersten Phase mit einem umstandslos dem Religiösen entlehnten Pathos (das Opfer für das Vaterland), später im Namen des blossen Funktionierens der Gesellschaft selber, das dazu zwingt, jede Störung zu eliminieren.

Roberto Calasso, Die Götter und die Literatur, Hanser 2003, S. 148 

The Man They Couldn’t Cancel

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Artikel im Wallstreet Journal über Jordan Peterson, den Mann, der einige gescheite Ansichten hat, aber zuweilen auch etwas anstrengend wirkt. Jedenfalls einer der interessantesten und provokantesten Intellektuellen auf dem Parkett – wobei es dazu möglicherweise heutzutage nicht allzuviel braucht.

A few rules from his latest book: “Do not do what you hate,” “Work as hard as you possibly can on at least one thing and see what happens,” “Try to make one room in your home as beautiful as possible.”

Those who despise Mr. Peterson think of him as a member of “the right” or even “the far right.” I wouldn’t describe him as a conservative—his interest lies in individual rather than societal order, and he says little about public policy. But it’s true that he not infrequently winds up holding conservative viewpoints on cultural matters. In “Beyond Order,” for example, he makes the case for marriage over cohabitation and readily acknowledges that children do better in two-parent families than in single-parent ones. He also writes and speaks frequently on the differences between masculinity and femininity. 

In the course of that controversy Mr. Peterson remarked that he would refuse to use contrived pronouns in his classes. “I regard these made-up pronouns, all of them, as neologisms of a radical PC authoritarianism,” he said in 2016. “I’m not going to be a mouthpiece for language I detest.” 

Part of what drives these young moralistic firebrands, he thinks, is the despairing outlook of the contemporary left. “Whenever you see that level of contempt manifest itself, that desire to flog and destroy, you have to ask yourself: How deep is that? The idea that we’re a cancer on the planet—well, what do you do with cancer? You eradicate it. I’ve heard environmentally sensitive types say that, and it’s horrifying. They’re completely blind to what they’re saying. If they weren’t blind to it, they’d be traumatized by it.”

“They leave this nihilistic nothingness in their wake, and what happens?” he says. “These kids turn to radical political correctness.” Messrs. Harris, Ridley, Fry, et al. aren’t happy about political correctness, Mr. Peterson notes, but “what did they expect to happen? Did they expect these kids would settle for their insipid rationalism?”

This search for a metaphysical teleology denied young people by “insipid rationalism,” in his view, is also “what motivates antifa and Black Lives Matter and white nationalism and all these other romantic revolutionary rebellions. It’s the romance and the heroism these movements offer.”

https://www.instapaper.com/read/1408645540

Gute Vorsätze zum neuen Jahr

From Robert Grudin’s Time and the Art of Living:

„Every time we postpone some necessary event whether we put off doing
the dinner dishes till morning or defer an operation or some difficult labor or
study – we do so with the implication that present time is more important than
future time… There is nothing wrong with this, as long as we know what
we are doing, and as long as the present indeed holds some opportunity more
important than the task we delay… Seen more extensively, habitual delay
can clutter our lives, leave us in the annoying position of always having to do
yesterdays chores. Disrespect for the future is a subtly poisonous disrespect
for self, and forces us, paradoxically enough, to live in the past.“ 

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Universalienstreit

Friedell: Kulturgeschichte der Neuzeit (Pos. 1520)

Egon Friedell um 1935. Sein Lebenswerk ist die dreibändige "Kulturgeschichte der Neuzeit".  (picture alliance / IMAGNO/Austrian Archives)

Der Zentralgedanke des Mittelalters, gleichsam das unsichtbare Motto, das über ihm schwebt, lautet: universalia sunt realia; nur die Ideen sind wirklich. Der große »Universalienstreit«, der fast das ganze Mittelalter erfüllt, geht niemals um den eigentlichen Grundsatz, sondern nur um dessen Formulierungen. Es gab bekanntlich drei Richtungen, die einander in der Herrschaft ablösten. Der »extreme Realismus« behauptet: universalia sunt ante rem, das heißt: sie gehen den konkreten Dingen vorher, und zwar sowohl dem Range nach wie als Ursache; der »gemäßigte Realismus« erklärt: universalia sunt in re, das heißt: sie sind in den Dingen als deren wahres Wesen enthalten; der »Nominalismus« stellt den Grundsatz auf: universalia sunt post rem: sie sind aus den Dingen abgezogen, also bloße Verstandesschöpfungen, und er bedeutet daher in der Tat eine Auflösung des Realismus: seine Herrschaft gehört aber, wie wir später sehen werden, nicht mehr dem eigentlichen Mittelalter an.

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Giving up Darwin

Peter Robinson von der Hoover Institution leitet eine Gesprächsrunde mit David Gelernter, David Berlinski und Stephen Meyer. Thema ist der Artikel von Gelernter in der Claremont Review of Books mit dem Titel “Giving up Darwin”. Geführt wurde die Diskussion in Fiesole im Juni 2019. Leider erfährt man nicht, wie es zu dieser Runde an diesem Ort gekommen ist.

Berlinski, jetzt wohl in den 80, mit Stock, Stiefel, T-Shirt und ärmelloser Jeansjacke.

Eine grossartige Gesprächsrunde.

Hoover

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The World According to Karl

The World According to Karl - Jean-Christophe Napias, Patrick Mauries

Am 19. Februar ist Karl Lagerfeld gestorben. Einer der kreativsten, gescheitesten Zeitgenossen. Gescheit im Sinne von lebensgescheit. Aus dem Buch ein paar zufällige Zitate:

You have to lead your life according  to your ideas. Spend all your money and live life in line with what you are fighting for.

I hate it when rich people try to be Communists. I think that’s obscene.

If you throw your money out of the window, do it with passion. Don’t say ‚you shouldn’t do that, that’s bourgeois.

Luxury is freedom of spirit, independence, basically political incorrectness.

The essential thing is not that people should sit on their money. It has to come out of their pockets.

What is this obsession always to be with people. Solitude is the biggest luxury.

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Simone De Beauvoir

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INTERVIEWER [Paris Review]

Some people think that a longing for God underlies your works.

DE BEAUVOIR

No. Sartre and I have always said that it’s not because there’s a desire to be that this desire corresponds to any reality. It’s exactly what Kant said on the intellectual level. The fact that one believes in causalities is no reason to believe that there is a supreme cause. The fact that man has a desire to be does not mean that he can ever attain being or even that being is a possible notion, at any rate the being that is a reflection and at the same time an existence. There is a synthesis of existence and being that is impossible. Sartre and I have always rejected it, and this rejection underlies our thinking. There is an emptiness in man, and even his achievements have this emptiness. That’s all. I don’t mean that I haven’t achieved what I wanted to achieve but rather that the achievement is never what people think it is. Furthermore, there is a naïve or snobbish aspect, because people imagine that if you have succeeded on a social level you must be perfectly satisfied with the human condition in general. But that’s not the case.

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It from Bit

In der NZZ wird die Frage nach der Realitätsaussage der Quantenmechanik gestellt. Offenbar wird die Realität eindeutig erst durch die Beobachtung konstituiert. Das scheint unbestritten. Doch bleibt unklar, was unter Realität hinter der Beobachtung überhaupt zu verstehen ist. Im Artikel wird ausgeführt:

Das Kernstück der heutigen Quantentheorie ist Schrödingers Wellen- oder Zustandsfunktion. Nach einem breiten Konsens unter Physikern enthält sie die vollständige Information über das betreffende Quantensystem. Sie beschreibt das Spektrum der möglichen Messwerte – etwa Position, Energie, Spin eines Teilchens. Aber im Gegensatz zur klassischen Situation existiert dieses Teilchen erst in einem eindeutigen realen Zustand, wenn wir es gemessen haben.

Das stellt nun den Realismus des klassischen physikalischen Weltbilds von den Füssen auf den Kopf. In diesem Weltbild existieren die physikalischen Systeme unabhängig von den Messinstrumenten, und die Instrumente sind einfach Informationslieferanten. John Archibald Wheeler, einer der phantasievollsten Physiker des 20. Jahrhunderts, hat darin eine der grossen Fragen der modernen Physik geortet. Ein reales physikalisches System bezeichnet er als «It»; die Information in der Zustandsfunktion als «Bit». Klassisch sagen wir: Da ist ein Teilchen in einem bestimmten Zustand – ein It –, und wir messen an ihm bestimmte Grössen: «Bit from It». Quantentheoretisch sagen wir: Wir messen bestimmte Grössen und schliessen daraus, dass sich da ein Teilchen in einem bestimmten Zustand befindet: «It from Bit». Ein Lichtpunkt auf dem Bildschirm, ein elektrischer Puls, ein Klick im Detektor: Das sind die Antworten des Apparats, die informationellen Atome der Realität.

«It from Bit» hat das Zeug zu einer konzeptuellen Revolution. Die Welt dreht sich nicht mehr um ihre materiellen, sondern um ihre informationellen Elemente. Warum ist die Welt quantisiert? «It from Bit» gibt uns eine trivialgeniale Antwort: weil unsere Fragen und Antworten letztlich quantisiert sind, sich auf abzählbar viele binäre Entscheide zurückführen lassen: Fliesst ein Strom oder nicht? Handelt es sich um die Spur eines Antiprotons? Unter das Ja-oder- Nein-Niveau kommen wir nicht.

Anton Zeilinger, der Quanteninformatiker aus Wien, der heute Wheelers Idee im Labor weiterführt, schreibt, dass «wir bewusst nicht mehr fragen, was ein elementares System eigentlich ist. Sondern wir sprechen letztlich nur über Information. Ein elementares System (. . .) ist nichts anderes als der Repräsentant dieser Information, ein Konzept, das wir aufgrund der uns zur Verfügung stehenden Information bilden.» Zeilinger stellt sogar das radikale Postulat auf: «Wirklichkeit und Information sind dasselbe.» Man könnte vom Postulat des informationellen Realismus sprechen: Am Anfang war das Bit.

Der klassische Idealismus und mit ihm Advaita wird sagen, die Beobachtung und das Beobachtete sind eins. Esse est percivi, wobei wir wieder bei Berkley wären. Oder die eigene Einsicht: Es ist uns keinerlei Möglichkeit zur Unterscheidung gegeben. Die Suche nach dem It führt nirgendwo hin.

Artikel NZZ

“There Is No Such Thing as Conscious Thought”

Scientific American befasst sich – einmal mehr – mit der Frage nach Natur und Funktion des Bewusstseins. Es geht auch um das Zusammenspiel von Mind, Awarness und Bewusstsein. Wie fast immer, bleibt vieles nebulös, aber die beschriebenen Überlegungen von Peter Carruthers im Interview düpfen einen sonst nie erwähnten Punkt: die Herkunft der Gedanken.

Es kommen Einfälle, Ideen etc., aber woher und wieso? Eine witzige Bemerkung, ein Einwand, eine Erinnerung etc. Wir sollten auf dem Heimweg noch Brot zu kaufen. Aber wir vergessen es, oder erinnern uns daran. Wir können diese Bewegungen im Geist beobachten, aber es ist, so Carruthers, nicht anders, als wenn wir einen anderen Menschen beobachten, der etwas sagt oder es nicht sagt. Was in seinem Kopf vorgeht ist uns nicht weniger zugänglich als die Tätigkeit unseres eigenen Geistes.

Habe mich auch schon gefragt: welche Schuld trage ich, wenn ich mich erinnere oder vergesse? Es liegt ausserhalb meines Einflusses. Aus dem Unbewussten dringt etwas an die Oberfläche, oder nicht. …

What makes you think conscious thought is an illusion?

I believe that the whole idea of conscious thought is an error. I came to this conclusion by following out the implications of the two of the main theories of consciousness. The first is what is called the Global Workspace Theory, which is associated with neuroscientists Stanislas Dehaene and Bernard Baars. Their theory states that to be considered conscious a mental state must be among the contents of working memory (the “user interface” of our minds) and thereby be available to other mental functions, such as decision-making and verbalization. Accordingly, conscious states are those that are “globally broadcast,” so to speak. The alternative view, proposed by Michael Graziano, David Rosenthal and others, holds that conscious mental states are simply those that you know of, that you are directly aware of in a way that doesn’t require you to interpret yourself. You do not have to read you own mind to know of them. Now, whichever view you adopt, it turns out that thoughts such as decisions and judgments should not be considered to be conscious. They are not accessible in working memory, nor are we directly aware of them. We merely have what I call “the illusion of immediacy”—the false impression that we know our thoughts directly.

One might easily agree that the sources of one’s thoughts are hidden from view—we just don’t know where our ideas come from. But once we have them and we know it, that’s where consciousness begins. Don’t we have conscious thoughts at least in this sense?

In ordinary life we are quite content to say things like “Oh, I just had a thought” or “I was thinking to myself.” By this we usually mean instances of inner speech or visual imagery, which are at the center of our stream of consciousness—the train of words and visual contents represented in our minds. I think that these trains are indeed conscious. In neurophilosophy, however, we refer to “thought” in a much more specific sense. In this view, thoughts include only nonsensory mental attitudes, such as judgments, decisions, intentions and goals. These are amodal, abstract events, meaning that they are not sensory experiences and are not tied to sensory experiences. Such thoughts never figure in working memory. They never become conscious. And we only ever know of them by interpreting what does become conscious, such as visual imagery and the words we hear ourselves say in our heads.

Interview Carruthers / Scientific American

Zweig und Nietzsche

Bildergebnis für zweig dämon

In “Der Kampf mit dem Dämon” charakterisiert Stefan Zweig Nietzsche mit grosser Geste und Intensität. Und er hat offensichtlich auch immer sich selbst im Blick und misst sein eigenes Tun und Erleben an diesem getriebenen Geist, ohne dies allerdings je offen zu legen. Ein paar Zitate aus dem Buch (in welchem auch Hölderlin und Kleist und ihren Dämonen nachgegangen wird).

*

Nehmen wir Goethe – immer wieder ihn, die sinnfälligste aller Erscheinungen – als den Prototyp einer organischen Natur, die geheimnisvoll mit dem Weltlauf im Einklange steht, so sehen wir, dass die Formen seiner Entwicklung symbolisch die Lebensalter spiegeln. Goethe ist überschwenglich-feurig als Jüngling, besonnen-tätig als Mann, begrifflich-klar als Greis: der Rhythmus seines Denkens entspringt organisch der Lebenstemperatur seines Blutes. Sein Chaos ist im Anfang (wie immer beim Jüngling), seine Ordnung am Ende (wie immer beim Greis), er wird konservativ, nachdem er Revolutionär gewesen, wissenschaftlich aus anfänglichem Lyrismus, selbstbewahrend nach anfänglicher Selbstverschwendung.

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Schelling (1)

imageDie Monographie zu Schelling von Jochen Kirchhoff fertig gelesen.

Das K. zu S. ein tiefes und grundlegend positives Verhältnis pflegt, ist unübersehbar. Also ist das keine distanzierte Darstellung. Vorbehalte kommen von K. lediglich in Form von kritischen Äusserungen etwa zu Sprache (Verständlichkeit), Organisation oder Unvollendetheit der Gedanken.

Aber das Büchlein ist ganz hervorragend und gibt einen enorm hilfreichen Überblick über die Entwicklung und inneren Zusammenhänge des deutschen Idealismus zwischen Kant und Schoppenhauer.

Und die Zitate sind jeweils gut gewählt und lassen erkennen, welche gewaltiges Ringen hinter dem Gedankengebäude Schellings steht.

Und ich gewinne den Eindruck, dass von allen, mir wichtigen Philosophen deutscher Sprache – als da wären Kant, Fichte, Schelling, Hegel, Schopenhauer, Nietzsche, Steiner, Husserl, Heidegger – Schelling in all seiner Buchstückhaftigkeit mir der wichtigste sei.

Mit fällt jetzt gerade dieses Zitat ein:

Die Freiheit liegt im Sein, nicht in der Tat.

Dahinter steht ein grosses, esoterisches Gebäude das wohl kein zeitgenösscher Denker mehr zu betreten wagte. Ausser vielleicht Kirchhoff selbst und ein paar andere, die aber keinen offiziellen, akademischen Anspruch erheben dürfen sondern sowohl im universitären wie medialen Betrieb bestenfalls als Kuriositäten gehandelt werden, was massgeblich zur geistigen Dürre unserer Gegenwart beiträgt.

Google Books

The Nature of Reality

A Dialogue Between a Buddhist Scholar and a Theoretical Physicist.

Alan Wallace, a world-renowned author and Buddhist scholar trained by the Dalai Lama, and Sean Carroll, a world-renowned theoretical physicist and best-selling author, discuss the nature of reality from spiritual and scientific viewpoints. Their dialogue is mediated by theoretical physicist and author Marcelo Gleiser, director of Dartmouth’s Institute for Cross-Disciplinary Engagement.

Recorded February 9, 2017
Nourse Theater – San Francisco, CA

p. Für mich – jedenfalls – ganz erstaunlich und erfreulich, was sich auf diesem YouTube alles abspielt und zugänglich ist. Das Video bringt die Auseinandersetzung zwischen einem Physiker und einem Buddhisten und der Physiker entwickelt in aller nur wünschbaren Klarheit den materiellen Blickwinkel zum Verständnis von Ich und Welt. In dieser Interpretation (narrative) gibt es kein Bewusstsein im Sinne einer materiell unabhängigen Entität. Was es gibt ist die Interaktion der atomaren Bestandteile von Gehirn und Körper, und die erklären auf ihrer Ebene alles. Eine davon unabhängige Instanz müsste energetisch in dieses System eingreifen. Wir können nichts derartiges feststellen.

Wallace zitiert eine Reihe eminenter Physiker welche den materialistischen Fundamentalismus nicht unterschreiben und auf ihr Unwissenheit diesbezüglich verweisen. Ein interessanter Punkt von Wallace: wir beziehen uns in unserem Wissen fast ausschliesslich auf die Aussagen weisser, europäischer oder amerikanischer Wissenschaftler aus dem 20. Jht. In Asien hat man die Fragen nach der Realität der Welt und von Bewusstsein seit 5 tausend Jahren untersucht. Und ihr Wissen wird zumindest auf wissenschaftlicher Ebene nicht aufgenommen. Schliesslich sagt er auch noch einiges über Reinkarnation, die für ihn anscheinend ausser Frage steht.

https://youtu.be/pLbSlC0Pucw

Chris Fields: Ego, Selbst, Separate Self, etc.

imageBeing a self – being one’s own self, in particular – is the most familiar of all experiences. Indeed it is one’s self that is experienced as having one’s experiences: one’s sensations, emotions, memories, feelings of agency, feelings of thinking, deciding and acting, the very feeling of existing. Philosophical traditions encourage us to know ourselves, but also to not take ourselves too seriously and to not get too caught up with the wanting, thinking, deciding and acting „ego“ part of the self. But what is this self experience, why do we have it, and what happens if it starts to unravel? I’ll suggest that we should marvel at the experience of the self, and speculate as to why we have it.

Chris Fields is an interdisciplinary information scientist interested in both the physics and the cognitive neuroscience underlying the human perception of objects as spatially and temporally bounded entities. His current research focuses on deriving quantum theory from classical information theory; he also works on cell-cell communication and cellular information processing, the role of the „unconscious mind“ in creative problem solving, and early childhood development, particularly the etiology of autism-spectrum conditions.

He and his wife, author and yoga teacher Alison Tinsley, recently published Meditation: If You’re Doing It, You’re Doing It Right, in which they explore the experience of meditation with meditators from many walks of life. Dr. Fields has also been a volunteer firefighter, a visual artist, and a travel writer. He currently divides his time between Sonoma, CA and Caunes Minervois, a village in southwestern France.“

p. Es stellt sich die Frage, wie die von Advaita propagierte Ichlosigkeit, die Überwindung des getrennten Ichs damit zusammengeht. Wie erklärt sich die wissenschaftliche Community die Entstehung und das Funktionieren des Ichs, das alles möglich vereint – Empfindungen, Erinnerungen, Emotionen, Körperbewusstsein, sensorische Wahrnehmungen etc. Seine Antwort: Der Konsensus lautet, wir haben nicht die geringste Ahnung. Seine Vermutung: es ist eine relativ kürzliche Errungenschaft des Gehirns, ein Hack, um die Dinge zu erleichtern, effizienter zu gestalten. Aber dieses Selbst ist gefährdet, labil. Ist sein Funktionieren gestört, wird das Leben zur Hölle. Er erwähnt Julian Jaynes, der offenbar aktuell neu entdeckt wird.

Erinnere mich an das Buch einer Frau, die urplötzlich ihr Ichbewusstsein verlor und darunter massiv gelitten hat. Alle möglichen Psychologen und Psychiater konnten ihr nicht helfen, bis ihr endlich jemand den Tipp gab, sie habe ihr Ego und getrenntes Ich verloren, was Zeichen der Erleuchtung sei. Von da weg ging es ihr wieder besser, sie gab auch Vorträge und Seminare, starb dann aber bald an Krebs. Eine surreale Geschichte, erst recht vor diesem Hintergrund.

Video Fields bei SAND: YouTube / Artikel/Interview Quanta Mag

Das Kekulé -Problem

Ähnliches FotoUnterbewusste hat offenbar stark an Faszination eingebüsst. Man fragt sich, ob es dereinst bewusste Maschinen geben wird. Ob diese auch ein Un- oder Unterbewusstes haben werden, auf die Frage scheint noch niemand gekommen zu sein. Cormag McCarthy ist auf Nautilus  dem Unterbewussten  nachgegangen, und welche Rolle die Sprache spielt.

Kekulé hat die Form des Benzol-Rings entdeckt, im Schlaf während eines Traums, in Form des Uroburos, der Schlange, die sich in den Schwanz beisst. Da war das Unterbewusste aktiv, aber es hat sich nicht mit einer sprachlichen Aussage gemeldet, sondern mit einem Bild, einem Symbol. Das ist typisch für das Unterbewusste, schreibt McCarthy. Es habe nämlich eine Abneigung gegen Sprache, die ihm aufgepfropft wurde. Zudem ist die Sprache kein evolutionäres Produkt, sondern eine Erfindung. Warum aber das UB die Sprache nicht benützt, ist das eigentliche K-Problem. Zur Sprache schreibt er: 

The sort of isolation that gave us tall and short and light and dark and other variations in our species was no protection against the advance of language. It crossed mountains and oceans as if they werent there. Did it meet some need? No. The other five thousand plus mammals among us do fine without it. But useful? Oh yes. We might further point out that when it arrived it had no place to go. The brain was not expecting it and had made no plans for its arrival. It simply invaded those areas of the brain that were the least dedicated. I suggested once in conversation at the Santa Fe Institute that language had acted very much like a parasitic invasion and David Krakauer—our president—said that the same idea had occurred to him. Which pleased me a good deal because David is very smart. This is not to say of course that the human brain was not in any way structured for the reception of language. Where else would it go? If nothing else we have the evidence of history. The difference between the history of a virus and that of language is that the virus has arrived by way of Darwinian selection and language has not. The virus comes nicely machined. Offer it up. Turn it slightly. Push it in. Click. Nice fit. But the scrap heap will be found to contain any number of viruses that did not fit.

Das Kekulé-Problem hat McCarthy übrigens auch gelöst.

I’d been thinking about the Kekulé problem off and on for a couple of years without making much progress. Then one morning after George Zweig and I had had one of our ten hour lunches I came down in the morning with the wastebasket from my bedroom and as I was emptying it into the kitchen trash I suddenly knew the answer. Or I knew that I knew the answer. It took me a minute or so to put it together. I reflected that while George and I had spent the first couple of hours at cognition and neuroscience we had not talked about Kekulé and the problem. But something in our conversation might very well have triggered our reflections—mine and those of the Night Shift—on this issue. The answer of course is simple once you know it. The unconscious is just not used to giving verbal instructions and is not happy doing so. Habits of two million years duration are hard to break. When later I told George what I’d come up with he mulled it over for a minute or so and then nodded and said: “That sounds about right.” Which pleased me a good deal because George is very smart.

Artikel Nautilus

The Death of SpaceTime & Birth of Conscious Agents

 

Donald Hoffman erläutert am SAND-Kongress (Science and Non Duality) sein Konzept von Bewusstsein und Realität. Auf dem Podium diskutiert er zusammen mit Daniel Dennett und David Chalmers. Das ist ziemlich viel Prominenz und zeigt die Position von Hoffman an.

Kant hätte kein Wort verstanden, aber dem meisten wohl zugestimmt. Die Welt hinter der Wahrnehmung, wie sie Hoffman darstellt, entspricht weitgehend dem kantischen Noumenon. Eine Welt ohne Raum, Zeit, Kausalität und Substanz. All dies wird vom Verstand (Mind) erstellt. Auch Schelling wäre zufrieden, sieht er doch Bewusstsein als Eigenheit aller Elemente, von den einfachsten Partikeln bis zum Menschen, natürlich in zunehmender Intensität. Für Schelling ist alles beseelt, was wohl auf das gleiche herauskommt wie die bewussten Agents von Hoffman. Auch Hume könnte vielem zustimmen. Die Kausalität in der von uns wahrgenommenen Realität gibt es nicht. Was wir sehen ist die Benutzeroberfläche, die Objekte sind Symbole – wie Icons auf dem Bildschirm. Auf dieser symbolischen Ebene gibt es keine kausalen Beziehungen, das spielt sich in der von uns nicht wahrnehmbaren Welt hinter der Erfahrung ab. Das hat vor 20 Jahren oder so auch schon Noerretranders gesagt.

Schwieriger zu verstehen ist Hoffmans mathematische Abbildung des Bewusstseins. Das Zusammenführen von Bewusstsein und Mathematik mag realitätsfremd und vielleicht absurd sein, es hat zumindest eine gewisse Faszination.

Dennett hat keine Freude, fragt sich, weshalb Hoffman diesen Weg gewählt hat (abgekommen vom richtigen, offenbar) und stellt seine Position kurz zusammengefasst dar. Bewusstsein ist ein Pseudoproblem, der Begriff des Hard Problems ist für ihn ein Djingle, ein endlos wiederholter Slogan, ohne Inhalt. Bewusstsein ist die Wahrnehmung unserer Gehirnaktivität. Punkt. Kein Geheimnis, nichts Aufregendes.

Am gleichen Kongress ist Spira dabei. Er kommt ohne die “Welt an sich” hinter der Wahrnehmung aus. Die andere Extremposition bezogen auf Dennett, für den es als überzeugten Monisten auch nur eine Ebene der Realität gibt, die materielle. Allerdings liesse sich Hoffman mit Spira “versöhnen”, denn auch Spira anerkennt die Aktivität des Mind als aktiv tätiges Bewusstsein. Und Hoffman sagt sogar, all there is is consciousness.

Wo mir Hoffman am meisten in die Quere kommt ist sein ungebremster Darwinismus. Er gehört fest zu seinem Konzept. Interessant aber irgendwie jenseits meines Verständnisses die Interpretation des Raums als risikominimierender Code.

Youtube mit Diskussion

Von Spira zu Dennett

 

Heute, am Ostermontag, zwischen Büro aufräumen, Zahlungen machen, Blog aktualisieren, zwei lange YouTube Videos angesehen. “The Nature of Consciousness” von Rupert Spira von der Science and Nonduality Tagung im Januar und der Google Talk von Daniel Dennett “From Bacteria to Bach and Back”.

Die Ausgangspunkte der beiden Referate könnten nicht weiter auseinanderliegen. Der Idealist Spira und der Materialist Dennett. Für Spira gibt es nur Bewusstsein, für Dennett nur Materie. Aber beide sind sie Monisten – in extremis. Und sie beginnen und enden an den entgegengesetzten Enden des epistemologischen Spektrums: Für Spira ist Bewusstsein der Ausgangspunkt allen Lebens, für Dennett ist Mind die allerletzte Entwicklung biologischen Lebens auf dem Planeten Erde.

Spira gibt einen hervorragenden Einstieg in seine Philosophie und Dennett beschäftigt sich mit der Frage nach dem Zusammenspiel von Kompetenz und Verstand. Ebenfalls höchst sehenswert. Bedenkenswert seine Vorschläge für die Anwendung Künstlicher Intelligenz, die nicht mehr aufzuhalten ist. Da die Resultate der  Deep Mind Software nicht nachvollziehbar sind, haben die Anwender der Software dafür die volle Verantwortung zu übernehmen.

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Chalmers – Echte virtuelle Realität

imageDavid Chalmers, University Professor of Philosophy and Neural Science and Co-Director of the Center for Mind, Brain, and Consciousness at New York University, hat sich anhand der neuen Virtual Realität-Technologien die Frage gestellt, was die Natur unserer Realität ist. Er stellt klar fest, virtuelle Realität ist reale Realität, nicht Illusion. Und möglicherweise genau so lebenswert wie die von uns als primäre Realität erlebte Erfahrung. Ausführlich legt er das in einem Interview auf Edge.org dar.

Mit der künstlich erzeugten virtuellen Realität stellt sich ganz von allein die Frage, wieweit unsere erlebte Realität nicht allenfalls auch virtuell ist. Möglicherweise das Produkt eines begabten Programmierers eine Stufe höher. Vielleicht ist er aber selbst nur wieder virtuelles Erzeugnis einer nochmals höheren Stufe.

Die Idee ist nicht neu. Tipler wirft die genau gleiche Frage in seiner “Physik der Unsterblichkeit” auf.  imageDas war vor 20 Jahren als virtuelle Realität noch nicht gängiger Begriff war. Damals kannte man die Technik der Emulation – bspw. ein Commodore 64 auf einem Windows 7-Computer. Auch das erlaubt die Vorstellung einer unendlichen Reihe von  Informationsverarbeitungs-Prozessen. Aber die stets neuste Technologie ist auch die naheliegendste für gängige Metaphern. Ist sie deshalb auch besser? Ist unsere Realität, die erfahrene, so problemlos als virtuell zu empfinden? Ich meine nein.

Die virtuelle Realität beruht auf Pixeln, reiner Oberfläche. Der Mensch hat grosse physische Tiefe. An die 100 Mrd. Zellen und noch mehr Mikroben. Nicht dass sich das computermässig nicht simulieren liesse, aber es ist wenig zweckmässig, auch wenn die enorme Datenmenge in einer mehr oder weniger fernen Zukunft zu bewältigen wäre, auch von 7 Mrd. Menschen samt fortlaufender Veränderung dierser Zellhaufen. Für mein Gefühl scheitert die Metapher der Wirklichkeit als denkbarem virtuellen Konstrukt daran. Es macht keinen Sinn. Wenn schon, scheint mir Tiplers Emulation überzeugender. Aber es bleibt stets die Gefahr durch die Verführung durch Metaphern, die als Wirklichkeitsbilder missverstanden werden (bspw. ganz schlimm das Hirn als Computer).

 

Links

Edge.org (Video), InstaPaper

Sound

 

Zitate

What’s artificial intelligence? That’s an artificial mind. What’s virtual reality? That’s an artificial world. This is great for a philosopher because philosophy, as I see it, is all about thinking about the nature of the mind, the nature of the world, and the connection between them. Thinking about artificial minds and artificial worlds can shed a lot of light on the mind and the world more generally.

Full-scale virtual reality is an immersive, interactive, computer-generated environment. Ordinary physical reality meets two of those three conditions: it’s immersive—it feels like I’m in the middle of it—and it’s interactive. I’m interacting with it, but it’s presumably not computer generated, so it only meets two out of three.
I’m inclined to think this is, again, the wrong way to think about virtual reality or simulations. Simulated worlds are perfectly real worlds, they’re just digital worlds—worlds fundamentally grounded in information.

You might think that a virtual reality would be too insubstantial to be a genuine reality.  If we’re in a virtual reality, objects are not solid the way things seem to be.  But we know from physics that objects are mostly empty space.  What makes them some of them count as solid is the way they interact with each other.  And that pattern of interaction can be present in a virtual reality.

You might also worry about space.  Some people think that if we’re in a virtual reality, objects aren’t spread out in space the way they seem to be.  But relativity, quantum mechanics, and other more recent theories increasingly suggest that nothing fully satisfies our intuitive conception of space as a sort of primitive container of matter.  Like solidity, space is grounded in the way things interact with each other.

Now some people, of course, have speculated that we ourselves may be living in a virtual reality, that our own environment may be virtual. This is the hypothesis that we are living in a computer simulation and have been since the beginning. That’s the hypothesis made famous by movies like The Matrix.

If unsimulated beings are a minority, it’s more likely that we’re one of the simulated beings way down there. Now there are various ways that reasoning can go wrong, but at the very least it gives us some reason to take seriously the hypothesis that we could be inhabiting a virtual reality and to think about what follows.

You can see the simulation hypothesis, the hypothesis that we’re in a simulation as a version of the multiverse idea, that there are multiple universes coexisting.
Maybe there’s a theology here. Whoever created our universe—the simulator—in a way, that’s our god, our creator. This being might be all-powerful, able to control our universe, all-knowing.

So even if there is a locally all-powerful creator, wonderful, but I’m not going to erect a religion around you. I’d be inclined to say, at best, these beings—our simulators—might be gods with a lower case g, not Gods with a capital G.

The chances are the god that you’re going to get from this simulation theology is an extremely watered-down god that would probably seem somewhat blasphemous from the perspective of traditional religion.

It could well be that we’re in a simulation. Maybe we’ll never get proof of this. Or if we’re not maybe we also can’t get proof. So I don’t want to say we’re exactly in the territory of a scientific hypothesis. This is more of a philosophical hypothesis.

Some people might speculate on the possibilities of an afterlife: If we are ultimately code, then that code could be uploaded into a different environment, maybe into the environment of the next universe up. Think of it as a science-compatible version of ordinary religion.

Within a decade or two I’m sure we’re going to have virtual reality that begins to be, visually and auditorily at least, indistinguishable from worlds like ours.

Some things are going to take a while to build into virtual reality, but I suspect within a century there will be Matrix-style virtual reality, which is more or less indistinguishable from our kind of reality.

Someone once said, “If a mind was so simple we could understand it, we’d be too simple to understand the mind.” So maybe there is something essentially complex and inexplicable about the mind. Maybe part of the charm of deep learning is that it’s a machine-learning system that develops things we don’t fully understand and couldn’t have predicted in advance.

Und Nietzsche weinte

Bildergebnis für als nietzsche weinte

Nach abgeschlossener Lektüre (“Anhörung”) der 600 Seiten des Buchs vom Yalom – was bleibt?

Lou Salomé trifft 1882 den Wiener Arzt Josef Breuer in Venedig und fordert ihn auf, Friedrich Nietzsche zu behandeln. Leider tritt sie nur einmal so selbstbewusst in diesem Roman auf. Das zweite Mal als Bittstellerin in Wien wirkt sie weniger überzeugend (und unterhaltend).

Nietzsche und Breuer führend lange und intensive Gespräche – der Beginn der “Redekur” – was als Beginn und Einführung in die Psychoanalyse gedeutet werden kann.

Beide – der Philosoph und der Arzt – leiden unter der Obsession zu einer für sie unerreichbaren Frau. In beiden Fällen wird aufgedeckt, dass die Obsession bloss Symptom von Illusionen und ungelebtem Leben ist.

Am Schluss heilen sie sich gegenseitig. Erst wird Breuer (konkret durch Freuds Hypnose) befreit, dann Nietzsche durch die “Beichte” Breuers über die Hintergründe zu seiner Behandlung.

Nietzsche erringt sein amor fati. Das Bekenntnis zu seiner Einsamkeit als selbsterwähltem Schicksal, dito Breuer mit seiner Existenz als praktischem Arzt und Familienvater.

Im Hörbuch die interessantesten Gespräche ab Kap. 110

Sloterdijk: Luther und die Folgen

Peter SloterdijkPeter SloterdijkPeter Sloterdijk

In der NZZ am Samstag ein aussergewöhnlich langer Artikel von Sloterdijk über Luther und vieles andere mehr. Drei ganze Zeitungsseiten. Es beginnt mit den Folgen der lutherischen Bibelübersetzung für die deutsche Sprache. S. zählt dazu das Abendlied von Matthias Claudius:

Um 1778 verfasste der Pfarrerssohn Matthias Claudius, vermutlich in Wandsbek bei Hamburg, möglicherweise schon etwas früher in Darmstadt, jenes «Abendlied», dem man aufgrund seiner Bekanntheit und Eingängigkeit ohne weiteres den Titel einer intimen Nationalhymne zusprechen könnte. Ein Vierteljahrtausend nach Luther ging der Mond hierzulande anders auf als im Rest der Welt.

«Der Mond ist aufgegangen,
Die goldnen Sternlein prangen
Am Himmel hell und klar.
Der Wald steht schwarz und schweiget
Und aus den Wiesen steiget
Der weisse Nebel wunderbar.»

Dass Wiesen die Begabung haben zu lachen, war schon den römischen Rednern kein Geheimnis. Doch dass sich Wälder in Schwärze hüllen und ein Schweigen üben, das auf den folgenden Tag abfärbt, das musste auf deutschem Boden gesagt werden, eintausendfünfhundert Jahre nach Quintilian.

Mit Luther wird das Verhältnis von Mensch zu Gott neu definiert.

Luthers Emanzipation der Gott-unmittelbaren Seele war zu ihrer Zeit alles andere als eine kühne Neuerung. Vor ihm hatte seit Jahrhunderten ein Rumoren in den Rüstkammern der Dogmatik dafür gesorgt, dass zwischen dem Absoluten und den Einzelnen kürzere Verbindungen erwogen wurden. Luther profitierte von den Effekten der «Mystik», die seit gut zweihundert Jahren die alteuropäischen Seelenwelten animierte, um zwischen Innerlichkeiten und Äusserlichkeiten amiable Lösungen zu entwickeln. Luthers spezifische Diskretion erwies sich darin, dass er den direkten Schluss zwischen dem Ich und dem All vermied. Von der Mystik inspiriert, misstraute er der mystischen Übereilung. Ihm kam es darauf an, die Schrift als Medium an die erste Stelle zu setzen, damit Gott und die Seele sich begegneten, ohne sich zu nahe zu kommen. Sola scriptura heisst die Devise, die den beiden anderen Absoluta vorgeordnet bleibt: Allein durch die Gnade kann gerettet werden, wer die gute Nachricht rezipiert. Allein durch den Glauben wird geschützt, wer sich ausschliesslich von der Schrift leiten lässt.

Schliesslich die Frage der Auserwähltheit resp. des Ausgestossenseins

Die heutigen Europäer und ihre transatlantischen Epigonen geben sich in der Regel keine Rechenschaft darüber, dass sie bis heute unter den Nachwirkungen eines spirituellen Hiroshima existieren. Dieses hatte sich im Jahr 397 auf nordafrikanischem Boden ereignet, als Augustinus ein Schreiben an einen gebildeten Mailänder namens Simplizianus verfasste, in welchem er auf dessen Fragen nach einigen unklaren Bibel-Stellen Auskunft gab, namentlich auf Fragen nach der Gerechtigkeit Gottes angesichts seiner unverkennbaren Bevorzugung von Geliebten auf Kosten von Ungeliebten. Das Dokument beweist, wie das Auf-peinliche-Fragen-antworten-Müssen den Antwortgeber in den Extremismus treiben kann.

Augustins Brief an Simplizian stellt einen Sprechakt vor, der im Namen des metaphysischen Schreckens redet. Mit ihm stürzt sich Augustinus sehenden Auges in den Abgrund, indem er Gott die Ehre erweist, menschlicherseits völlig unbegreiflich zu werden. (…)

Wer das Movens des Protestantismus aus Nachklang-Effekten, rückwirkenden wie vorauswirkenden, zu begreifen versucht, muss wohl oder übel bei der augustinischen Verteidigung von Gottes Selektivität ansetzen. In ihr verbirgt sich eines der bestgehüteten Kirchengeheimnisse: Tatsächlich ist die Lehre vom Heil von Anfang an extremistisch und oligologisch verfasst: Die Selektionskaskade ist evident und reicht weit zurück: Das Heil kommt von den Juden, die ihrerseits schon die oligoi unter den Völkern verkörperten. Im Judentum selbst bildet sich immer wieder ein Rest aus treuen wenigen gegenüber den unterwegs verlorenen vielen; das paulinische Christentum zieht diese Kreise weiter, um nun auch die prädisponierten wenigen aus den vielen der Fremdvölker einbeziehen zu können. Wer Paulus und Augustinus liest, erfährt etwas über Vorgänge in Gott, die den gewöhnlichen Gottesfreund verlegen machen.

Was tut denn Gott, wenn er vor aller Existenz beschliesst, wie ein Operndirektor im Absoluten mit den stärksten Kontrasten zu arbeiten?
Auch Luther versteht noch sehr gut, dass Neutralität eine heidnische Qualität darstellt. Sie bedeutet die natürliche Atmosphäre des Polytheismus. Im Parteiensystem der Götter war stets auf Ausgleich hinzuwirken. Im Monotheismus gilt das Gesetz des Ja und Nein. Für den Protestantismus ist durch die Schrift ein Drittes gegeben. Schützt sie auch vor, ein reines Ja zu sagen, gewährt sie, weil auf Auslegung angewiesen, dem Nein so viel Raum, dass Drittes intervenieren kann. In dem bewegt sich der wittenbergische Widerspruch zum römischen Diktat.

Sloterdijk

Techno-Religions and Silicon Prophets

Denkbare, wünschbare Zukunft oder Horror-Szenario? Einziger Ausweg aus der drohenden Selbstzerstörung des Menschen oder materialistische Fehlzündung auf Basis einer irregeleiteten Ontologie? Man sollte seine Bücher (oder besser: Homo Sapiens) gelesen haben, um eine Idee von einer offenbaren, globalen Tendenz zu bekommen. Sonst marschieren wir schnurstracks in eine makabre neue Welt, scheinbar ohne Alternative.

Was ist das für eine Welt? Der (biologische) Mensch ist ersetzt durch Chips und Software. Das erlaubt ihm, durch Raum und Zeit zu reisen und die (neue) Spezies auf anderen Planeten zu verbreiten, etwa wie Viren.

Das tönt wie die übliche Dystopia, aber Harari ist ein hochintelligenter Typ und so leicht nicht zu widerlegen. On verra – oder besser nicht.

Zum Buch von Harari