Le Sacre du Printemps

Greenberg ist in seiner Serie zur Great Music of the 20th century über alle Massen begeistert über den Sacre du Printemps von Stravinsky. Und zu recht.

Stravinsky gehört auch auf meiner Liste zu den vier massgeblichen oder am meisten herausragenden Musikern / Orchestern … des 20. Jhts. (Zusammen mit Miles Davis, den Beatles und Debussy (?).

Und der Sacre ist und bleibt überwältigende Musik. Das YouTube-Video obgleich in sehr bescheidener Qualität vermittelt die ungeheure Kraft und Energie und Vitalität.

Greenberg schreibt:
The Rite appeared to be devoid of any reference to the long and glorious Western musical tradition as it existed at the time. Rather, it created what appeared to be an entirely new musical language and expressive world.a primal, sexual, violent, thrumming, premoral musical world in which pure rhythmic energy for its own sake became the principal musical element. In terms of its expressive content, The Rite has been described as a metaphor for the breakdown of 19th.century values, as a symbol of the post.Victorian sexual awakening of the early 20th century, and even as an analog for the modern technology that led to the butchery of the First World War.

Greenberg PDF

Zweig und Nietzsche

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In “Der Kampf mit dem Dämon” charakterisiert Stefan Zweig Nietzsche mit grosser Geste und Intensität. Und er hat offensichtlich auch immer sich selbst im Blick und misst sein eigenes Tun und Erleben an diesem getriebenen Geist, ohne dies allerdings je offen zu legen. Ein paar Zitate aus dem Buch (in welchem auch Hölderlin und Kleist und ihren Dämonen nachgegangen wird).

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Nehmen wir Goethe – immer wieder ihn, die sinnfälligste aller Erscheinungen – als den Prototyp einer organischen Natur, die geheimnisvoll mit dem Weltlauf im Einklange steht, so sehen wir, dass die Formen seiner Entwicklung symbolisch die Lebensalter spiegeln. Goethe ist überschwenglich-feurig als Jüngling, besonnen-tätig als Mann, begrifflich-klar als Greis: der Rhythmus seines Denkens entspringt organisch der Lebenstemperatur seines Blutes. Sein Chaos ist im Anfang (wie immer beim Jüngling), seine Ordnung am Ende (wie immer beim Greis), er wird konservativ, nachdem er Revolutionär gewesen, wissenschaftlich aus anfänglichem Lyrismus, selbstbewahrend nach anfänglicher Selbstverschwendung.

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The Sun is always shining

Western psychology holds that humans are not born with a sense of self, but rather that the self is constructed over time, gradually emerging within the first two years of life. Further, much scientific research says that everything that exists in human awareness – sight, sound, even time itself – is all a construction of the mind. So what are the pitfalls of treating these constructs as objective truths? According to Mahāmudrā Buddhist teaching, explored here by the clinical psychologist Daniel Brown at Harvard University, the more enamoured we are of our selves, the more fixed we are in our own ‘realities’, limiting the possibilities of our awareness. Playing with these reflections on the self and awareness, the San Francisco-based animator Claudia Biçen uses a series of ink-and-pencil portraits of Brown to bring him into being and then let him disappear.

ART 48/2017

Die Fotos: zwei hübsche kleine Calder, der Hokusai von Baumgartner (bei Cristea), fünf kleine Bishops bei Verna, das vergoldete Skelett eines kleinen Engels, Stasia im Hof der Art und im Gespräch mit von Bartha. Dazu ein paar Impressionen von der Unlimited mit einem Aldi-Kind und Hape.

Die Kunst, die Art. Mit Hape an der Unlimited, er mit Karte als VIP First Choice, was immer das heissen mag. Eine Menge Leute, alles VIPs, offenbar. Fast zehn Jahre habe ich für die Art gearbeitet, war an den Sitzungen des Beirats, tempi passati. Kein VIP, obwohl ich doch an der Messe immer wieder Geld ausgebe.

Aber die Unlimited enttäuscht. In den letzten Jahren war sie noch ein Highlight der Messe und hat die Langeweile bei den Galerien etwas entschädigt. Das scheint jetzt auch vorbei.

Im Galerienteil die normierte Langeweile, die kaum mehr entzifferbare Kunst. Alles geht, alles ist sui generis. Da ist nichts mehr zu vergleichen, nichts zu bewerten. Für mich bloss noch ein grosses Kannitverstan.

Robert Anton Wilson und Bertrand Russell und die Welt im Kopf

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Der folgende Ausschnitt aus Robert Anton Wilsons “Quantum Psychology” zeigt das Allernormalste, Allgemeinste, total Unbezweifelte als das völlig Sinnlose. Die Zweikopf-Theorie nach Russell.

Die Darstellung in Wilsons Buch hat mich seit Jahren verfolgt. Das Buch, woraus sie stammt, irgendwo im Haus, unauffindbar. Vielleicht in den Kisten im Keller an der Riehentorstrasse. Ev. weggeworfen.

Lange habe ich nach Colin Wilson gesucht, ein anderer Spinner, aber das war der falsche Wilson. Heute gerät mir “Schrödingers Katze” von R.A. Wilson in die Finger und ich komme der Sache näher. Suche im Internet, finde die Quantum Psychology und weiss (80%), das ist das Buch. Auf deutsch längst vergriffen, nur noch für 210€ zu haben. Aber englisch noch greifbar, und erst noch auf Kindle. Und hier unten die heisse Stelle.

Die Sache ist einfach umwerfend. Phänomenal im wahrsten Sinne des Wortes. Und kein Mensch redet darüber. Niemand scheint es zu merken. Und es geht um nichts weniger, als die völlig unbestrittene wissenschaftliche Weltdarstellungs- und Erfahrungstheorie. Aber da ist gewaltig der Wurm drin. Warum fällt das niemandem auf? Warum schreit niemand?

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Schelling (1)

imageDie Monographie zu Schelling von Jochen Kirchhoff fertig gelesen.

Das K. zu S. ein tiefes und grundlegend positives Verhältnis pflegt, ist unübersehbar. Also ist das keine distanzierte Darstellung. Vorbehalte kommen von K. lediglich in Form von kritischen Äusserungen etwa zu Sprache (Verständlichkeit), Organisation oder Unvollendetheit der Gedanken.

Aber das Büchlein ist ganz hervorragend und gibt einen enorm hilfreichen Überblick über die Entwicklung und inneren Zusammenhänge des deutschen Idealismus zwischen Kant und Schoppenhauer.

Und die Zitate sind jeweils gut gewählt und lassen erkennen, welche gewaltiges Ringen hinter dem Gedankengebäude Schellings steht.

Und ich gewinne den Eindruck, dass von allen, mir wichtigen Philosophen deutscher Sprache – als da wären Kant, Fichte, Schelling, Hegel, Schopenhauer, Nietzsche, Steiner, Husserl, Heidegger – Schelling in all seiner Buchstückhaftigkeit mir der wichtigste sei.

Mit fällt jetzt gerade dieses Zitat ein:

Die Freiheit liegt im Sein, nicht in der Tat.

Dahinter steht ein grosses, esoterisches Gebäude das wohl kein zeitgenösscher Denker mehr zu betreten wagte. Ausser vielleicht Kirchhoff selbst und ein paar andere, die aber keinen offiziellen, akademischen Anspruch erheben dürfen sondern sowohl im universitären wie medialen Betrieb bestenfalls als Kuriositäten gehandelt werden, was massgeblich zur geistigen Dürre unserer Gegenwart beiträgt.

Google Books

The Nature of Reality

A Dialogue Between a Buddhist Scholar and a Theoretical Physicist.

Alan Wallace, a world-renowned author and Buddhist scholar trained by the Dalai Lama, and Sean Carroll, a world-renowned theoretical physicist and best-selling author, discuss the nature of reality from spiritual and scientific viewpoints. Their dialogue is mediated by theoretical physicist and author Marcelo Gleiser, director of Dartmouth’s Institute for Cross-Disciplinary Engagement.

Recorded February 9, 2017
Nourse Theater – San Francisco, CA

p. Für mich – jedenfalls – ganz erstaunlich und erfreulich, was sich auf diesem YouTube alles abspielt und zugänglich ist. Das Video bringt die Auseinandersetzung zwischen einem Physiker und einem Buddhisten und der Physiker entwickelt in aller nur wünschbaren Klarheit den materiellen Blickwinkel zum Verständnis von Ich und Welt. In dieser Interpretation (narrative) gibt es kein Bewusstsein im Sinne einer materiell unabhängigen Entität. Was es gibt ist die Interaktion der atomaren Bestandteile von Gehirn und Körper, und die erklären auf ihrer Ebene alles. Eine davon unabhängige Instanz müsste energetisch in dieses System eingreifen. Wir können nichts derartiges feststellen.

Wallace zitiert eine Reihe eminenter Physiker welche den materialistischen Fundamentalismus nicht unterschreiben und auf ihr Unwissenheit diesbezüglich verweisen. Ein interessanter Punkt von Wallace: wir beziehen uns in unserem Wissen fast ausschliesslich auf die Aussagen weisser, europäischer oder amerikanischer Wissenschaftler aus dem 20. Jht. In Asien hat man die Fragen nach der Realität der Welt und von Bewusstsein seit 5 tausend Jahren untersucht. Und ihr Wissen wird zumindest auf wissenschaftlicher Ebene nicht aufgenommen. Schliesslich sagt er auch noch einiges über Reinkarnation, die für ihn anscheinend ausser Frage steht.

https://youtu.be/pLbSlC0Pucw

Friedell / Nietzsche

Nietzsche sagt: »es gibt zweierlei Leidende, einmal die an der Überfülle des Lebens Leidenden … und sodann die an der Verarmung des Lebens Leidenden, die Ruhe, Stille, glattes Meer, Erlösung von sich durch die Kunst und Erkenntnis suchen, oder aber den Rausch, den Krampf, die Betäubung, den Wahnsinn. Dem Doppelbedürfnisse der letzteren entspricht alle Romantik in Künsten und Erkenntnissen.« Und damit stoßen wir auf die tiefste Bedeutung, die das Wort »Reaktion«, angewendet auf jene Zeit, besitzt: sie reagiert auf die erzwungene Lebensverarmung durch Selbstbetäubung im Krampfe des Rausches oder der Erstarrung. Rahel Levin nannte den Gesellschaftszustand »die unendliche Tiefe der Leere«, was ein sehr kompetenter Beurteiler, nämlich Metternich, als »eine wahrhaft genialische Inspiration« bezeichnete.

p. Was kann man Besseres sagen als über die Gegenwart, oder 150 Jahre später?

Maria Netter

Ich war knapp dreissig, sie knapp 60 als ich sie kennenlernte. Ich junger Redaktor der Schweizerischen Finanzzeitung, sie bekannte und brotlose Kunstkritikerin. Knapp zehn Jahre arbeiteten wir zusammen.

Es war mehr als Arbeit. Zwei, drei Mal pro Monat gingen wir in die Kunsthalle, machten gemeinsame Kunst-Reisen nach Berlin, Paris, Stuttgart und an die Documenta in Kassel. Selbst Ferien verbrachten wir gemeinsam in Marina die Massa in der Toscana. im Hotel Nedy, damals bekannt unter Schweizer Medien-Intellektuellen dank hervorragender Küche.

Wir diskutierten unentwegt über Kunst und Welt, doch offenbar kaum oder gar nichts Privates. Dass sie nicht Baslerin war, sie sprach das beste Baseldeutsch das ich bis anhin gehört hatte – samt Bodeduech und Badstube – wäre mir nie in den Sinn gekommen. Aber sie war von Geburt Berliner Jüdin, vor dem Krieg zum Studium nach Basel gekommen, konvertierte und befasste sich fortan mit Kunst. Nichts von alledem kam jemals zur Sprache, was vor Basel war.

Das Buch zeigt Netter als hervorragende Kunstkritikerin und ich bin überrascht von der Qualität der Beiträge, soweit sie hier abgedruckt oder zitiert werden. Nur nebenher und kurz wird auf ihre Arbeit als Kunstmarkt-Expertin hingewiesen. Die Finanz-Zeitung wird erwähnt, aber wenig Substanzielles dazu gesagt. Schade.

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100 Jahre Ella Fitzgerald

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In 1958, Frank Sinatra recorded Billy Strayhorn’s classic torch song “Lush Life”—or, rather, he attempted to. He got about halfway through it when he, in 21st-century speak, “pivoted” and decided, he declared loudly, to “put that one aside for about a year!” Upon hearing the incomplete take, one can only concur with the Chairman’s decision: This is far from a lost Sinatra masterpiece. Rather, it’s a lost Sinatra mistake.

Conversely, Ella Fitzgerald made three important recordings of “Lush Life” in three very different contexts: in 1957 with pianist Oscar Peterson, in 1973 with guitarist Joe Pass, and on a 1968 TV special with Duke Ellington —Strayhorn’s mentor and key collaborator—accompanying her on piano. Or was he? Careful analysis of the videotape by professional pianists reveals that even though it’s Duke on camera, the soundtrack accompaniment is probably actually being played by her regular accompanist at the time, Jimmy Jones.

Clearly, neither Sinatra nor Ellington was comfortable with “Lush Life”—even though Sinatra had sung many songs that were just as musically difficult (and intimately personal), and Ellington was closer to Strayhorn than anyone; he, of all people, should have been willing and able to play it.

Zum Artikel im WJS: Auf Spotify wird bei der Aufnahme oben als Pianist Oscar Peterson angegeben. Auf dem dazugehörigen Plattencover ist Duke Ellington abgebildet, und der wahre Pianist ist nun möglicherweise Jimmy Jones. Egal. Traumhafte Aufnahme.

WSJ

Chris Fields: Ego, Selbst, Separate Self, etc.

imageBeing a self – being one’s own self, in particular – is the most familiar of all experiences. Indeed it is one’s self that is experienced as having one’s experiences: one’s sensations, emotions, memories, feelings of agency, feelings of thinking, deciding and acting, the very feeling of existing. Philosophical traditions encourage us to know ourselves, but also to not take ourselves too seriously and to not get too caught up with the wanting, thinking, deciding and acting „ego“ part of the self. But what is this self experience, why do we have it, and what happens if it starts to unravel? I’ll suggest that we should marvel at the experience of the self, and speculate as to why we have it.

Chris Fields is an interdisciplinary information scientist interested in both the physics and the cognitive neuroscience underlying the human perception of objects as spatially and temporally bounded entities. His current research focuses on deriving quantum theory from classical information theory; he also works on cell-cell communication and cellular information processing, the role of the „unconscious mind“ in creative problem solving, and early childhood development, particularly the etiology of autism-spectrum conditions.

He and his wife, author and yoga teacher Alison Tinsley, recently published Meditation: If You’re Doing It, You’re Doing It Right, in which they explore the experience of meditation with meditators from many walks of life. Dr. Fields has also been a volunteer firefighter, a visual artist, and a travel writer. He currently divides his time between Sonoma, CA and Caunes Minervois, a village in southwestern France.“

p. Es stellt sich die Frage, wie die von Advaita propagierte Ichlosigkeit, die Überwindung des getrennten Ichs damit zusammengeht. Wie erklärt sich die wissenschaftliche Community die Entstehung und das Funktionieren des Ichs, das alles möglich vereint – Empfindungen, Erinnerungen, Emotionen, Körperbewusstsein, sensorische Wahrnehmungen etc. Seine Antwort: Der Konsensus lautet, wir haben nicht die geringste Ahnung. Seine Vermutung: es ist eine relativ kürzliche Errungenschaft des Gehirns, ein Hack, um die Dinge zu erleichtern, effizienter zu gestalten. Aber dieses Selbst ist gefährdet, labil. Ist sein Funktionieren gestört, wird das Leben zur Hölle. Er erwähnt Julian Jaynes, der offenbar aktuell neu entdeckt wird.

Erinnere mich an das Buch einer Frau, die urplötzlich ihr Ichbewusstsein verlor und darunter massiv gelitten hat. Alle möglichen Psychologen und Psychiater konnten ihr nicht helfen, bis ihr endlich jemand den Tipp gab, sie habe ihr Ego und getrenntes Ich verloren, was Zeichen der Erleuchtung sei. Von da weg ging es ihr wieder besser, sie gab auch Vorträge und Seminare, starb dann aber bald an Krebs. Eine surreale Geschichte, erst recht vor diesem Hintergrund.

Video Fields bei SAND: YouTube / Artikel/Interview Quanta Mag

Tim Parks

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Seit wieviel Jahren lese ich die Bücher und Blog Posts von Parks? Schätze ungefähr 6 oder 7 Jahre. Es begann mit seinen italienischen Erfahrungen als junger Ehemann in Verona, mit einer italienischen Frau, Kinder, die in italienische Schulen gingen und so weiter. Dann sein Buch über die italienischen Eisenbahnen und seine Erfahrungen als Passagier in italienischen Eisenbahnen. Man kann hier überall enorm viel über Italien und die Italiener lesen. Parks, bei aller Schärfe der Beobachtung von allerlei Idiosynkratischem und auch Hinterhältigem bleibt immer fair, immer freundlich. Eine angenehme, unaufdringliche Toleranz, Menschlichkeit. Nie ist er anbiedernd.

Dann kam “Teach us to be Still”, sein im Deutschen Sprachraum wohl grösser Erfolg. Seine Blasenprobleme, die keine Prostataprobleme waren, überhaupt nicht primär körperlich, wiewohl sie sich in schlimmster Form körperlich äusserten. Parks beschreibt seine Symptome präziser, als man sie als Mann insbesondere lesen möchte. Er wird geheilt, weitgehend, wie es scheint, als er zufällig auf die buddhistische Meditation, Vipassana, stösst. Langsam löst sich seine pelvische Verkrampfung, er kann wieder ein normales Leben führen.

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Das Kekulé -Problem

Ähnliches FotoUnterbewusste hat offenbar stark an Faszination eingebüsst. Man fragt sich, ob es dereinst bewusste Maschinen geben wird. Ob diese auch ein Un- oder Unterbewusstes haben werden, auf die Frage scheint noch niemand gekommen zu sein. Cormag McCarthy ist auf Nautilus  dem Unterbewussten  nachgegangen, und welche Rolle die Sprache spielt.

Kekulé hat die Form des Benzol-Rings entdeckt, im Schlaf während eines Traums, in Form des Uroburos, der Schlange, die sich in den Schwanz beisst. Da war das Unterbewusste aktiv, aber es hat sich nicht mit einer sprachlichen Aussage gemeldet, sondern mit einem Bild, einem Symbol. Das ist typisch für das Unterbewusste, schreibt McCarthy. Es habe nämlich eine Abneigung gegen Sprache, die ihm aufgepfropft wurde. Zudem ist die Sprache kein evolutionäres Produkt, sondern eine Erfindung. Warum aber das UB die Sprache nicht benützt, ist das eigentliche K-Problem. Zur Sprache schreibt er: 

The sort of isolation that gave us tall and short and light and dark and other variations in our species was no protection against the advance of language. It crossed mountains and oceans as if they werent there. Did it meet some need? No. The other five thousand plus mammals among us do fine without it. But useful? Oh yes. We might further point out that when it arrived it had no place to go. The brain was not expecting it and had made no plans for its arrival. It simply invaded those areas of the brain that were the least dedicated. I suggested once in conversation at the Santa Fe Institute that language had acted very much like a parasitic invasion and David Krakauer—our president—said that the same idea had occurred to him. Which pleased me a good deal because David is very smart. This is not to say of course that the human brain was not in any way structured for the reception of language. Where else would it go? If nothing else we have the evidence of history. The difference between the history of a virus and that of language is that the virus has arrived by way of Darwinian selection and language has not. The virus comes nicely machined. Offer it up. Turn it slightly. Push it in. Click. Nice fit. But the scrap heap will be found to contain any number of viruses that did not fit.

Das Kekulé-Problem hat McCarthy übrigens auch gelöst.

I’d been thinking about the Kekulé problem off and on for a couple of years without making much progress. Then one morning after George Zweig and I had had one of our ten hour lunches I came down in the morning with the wastebasket from my bedroom and as I was emptying it into the kitchen trash I suddenly knew the answer. Or I knew that I knew the answer. It took me a minute or so to put it together. I reflected that while George and I had spent the first couple of hours at cognition and neuroscience we had not talked about Kekulé and the problem. But something in our conversation might very well have triggered our reflections—mine and those of the Night Shift—on this issue. The answer of course is simple once you know it. The unconscious is just not used to giving verbal instructions and is not happy doing so. Habits of two million years duration are hard to break. When later I told George what I’d come up with he mulled it over for a minute or so and then nodded and said: “That sounds about right.” Which pleased me a good deal because George is very smart.

Artikel Nautilus

The Death of SpaceTime & Birth of Conscious Agents

 

Donald Hoffman erläutert am SAND-Kongress (Science and Non Duality) sein Konzept von Bewusstsein und Realität. Auf dem Podium diskutiert er zusammen mit Daniel Dennett und David Chalmers. Das ist ziemlich viel Prominenz und zeigt die Position von Hoffman an.

Kant hätte kein Wort verstanden, aber dem meisten wohl zugestimmt. Die Welt hinter der Wahrnehmung, wie sie Hoffman darstellt, entspricht weitgehend dem kantischen Noumenon. Eine Welt ohne Raum, Zeit, Kausalität und Substanz. All dies wird vom Verstand (Mind) erstellt. Auch Schelling wäre zufrieden, sieht er doch Bewusstsein als Eigenheit aller Elemente, von den einfachsten Partikeln bis zum Menschen, natürlich in zunehmender Intensität. Für Schelling ist alles beseelt, was wohl auf das gleiche herauskommt wie die bewussten Agents von Hoffman. Auch Hume könnte vielem zustimmen. Die Kausalität in der von uns wahrgenommenen Realität gibt es nicht. Was wir sehen ist die Benutzeroberfläche, die Objekte sind Symbole – wie Icons auf dem Bildschirm. Auf dieser symbolischen Ebene gibt es keine kausalen Beziehungen, das spielt sich in der von uns nicht wahrnehmbaren Welt hinter der Erfahrung ab. Das hat vor 20 Jahren oder so auch schon Noerretranders gesagt.

Schwieriger zu verstehen ist Hoffmans mathematische Abbildung des Bewusstseins. Das Zusammenführen von Bewusstsein und Mathematik mag realitätsfremd und vielleicht absurd sein, es hat zumindest eine gewisse Faszination.

Dennett hat keine Freude, fragt sich, weshalb Hoffman diesen Weg gewählt hat (abgekommen vom richtigen, offenbar) und stellt seine Position kurz zusammengefasst dar. Bewusstsein ist ein Pseudoproblem, der Begriff des Hard Problems ist für ihn ein Djingle, ein endlos wiederholter Slogan, ohne Inhalt. Bewusstsein ist die Wahrnehmung unserer Gehirnaktivität. Punkt. Kein Geheimnis, nichts Aufregendes.

Am gleichen Kongress ist Spira dabei. Er kommt ohne die “Welt an sich” hinter der Wahrnehmung aus. Die andere Extremposition bezogen auf Dennett, für den es als überzeugten Monisten auch nur eine Ebene der Realität gibt, die materielle. Allerdings liesse sich Hoffman mit Spira “versöhnen”, denn auch Spira anerkennt die Aktivität des Mind als aktiv tätiges Bewusstsein. Und Hoffman sagt sogar, all there is is consciousness.

Wo mir Hoffman am meisten in die Quere kommt ist sein ungebremster Darwinismus. Er gehört fest zu seinem Konzept. Interessant aber irgendwie jenseits meines Verständnisses die Interpretation des Raums als risikominimierender Code.

Youtube mit Diskussion

Von Spira zu Dennett

 

Heute, am Ostermontag, zwischen Büro aufräumen, Zahlungen machen, Blog aktualisieren, zwei lange YouTube Videos angesehen. “The Nature of Consciousness” von Rupert Spira von der Science and Nonduality Tagung im Januar und der Google Talk von Daniel Dennett “From Bacteria to Bach and Back”.

Die Ausgangspunkte der beiden Referate könnten nicht weiter auseinanderliegen. Der Idealist Spira und der Materialist Dennett. Für Spira gibt es nur Bewusstsein, für Dennett nur Materie. Aber beide sind sie Monisten – in extremis. Und sie beginnen und enden an den entgegengesetzten Enden des epistemologischen Spektrums: Für Spira ist Bewusstsein der Ausgangspunkt allen Lebens, für Dennett ist Mind die allerletzte Entwicklung biologischen Lebens auf dem Planeten Erde.

Spira gibt einen hervorragenden Einstieg in seine Philosophie und Dennett beschäftigt sich mit der Frage nach dem Zusammenspiel von Kompetenz und Verstand. Ebenfalls höchst sehenswert. Bedenkenswert seine Vorschläge für die Anwendung Künstlicher Intelligenz, die nicht mehr aufzuhalten ist. Da die Resultate der  Deep Mind Software nicht nachvollziehbar sind, haben die Anwender der Software dafür die volle Verantwortung zu übernehmen.

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Piketty: Produktivität in Deutschland und Frankreich

Pikettys Bestseller über den Kapitalismus und seine fatalen Mängel habe ich nicht gelesen und über seine Schlussfolgerungen – massive steuerliche Mehrbelastung der Superreichen –  bin ich nur oberflächlich orientiert. Hege aber eine instinktive Skepsis. Gelesen habe ich dafür seinen Blogbeitrag bei LeMonde mit einer Analyse der Produktivität und ihrer Entwicklung in einer Reihe von Ländern und insbesondere einem Vergleich von Deutschland und Frankreich, der überaus interessant ist und jede Menge an Fragen aufwirft. Piketty definiert Produktivität schlicht aus der Division von Sozialprodukt und Anzahl geleisteter Arbeitsstunden. Über die Mängel der Definition ist er sich im klaren, hat aber Einwände gegen die näherliegende Definition als Quotienten aus Volkseinkommen und Arbeitsstunden.

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Was auffällt, ist ab 2000 das Wegbrechen von Italien und Grossbritannien und der anhaltende Gleichschritt von USA, Deutschland und Frankreich. Was ist da passiert? Was ist in Italien geschehen? Ich vermute, hier machen sich erstmals und dramatisch die Konsequenzen des Euros bemerkbar, was P. als Anhänger der Einheitswährung wohl nicht sehen will. GB fällt ab ca. 2008 zurück, auch ohne Euro, während Frankreich im Gleichschritt mit den USA und D vorwärts marschiert. Wie ist das zu interpretieren?

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Noch auffallender, wenn man die Zahlen akzeptiert, ist die Tatsache, dass USA, D und F gleichauf liegen, I und GB hingegen weit hinter den USA als Massstab zurückfallen. Das ist der selbe Tatbestand wie in der ersten Grafik, mit anderer Optik und den USA als Massstab.

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Was Piketty besonders stört, ist das tiefe Konsum und Investitionsniveau in Deutschland, das deutlich von allen Vergleichsländern abweicht. Wo gehen dann aber die Ueberschüsse hin? Der deutsche Staat hat sich bis ca. 2015 stets weiter verschulden müssen, die Realeinkommen in Deutschland haben nicht wesentlich zugenommen. Sind sie bei den Unternehmen gelandet?

Und das geht einher mit enormen Exportüberschüssen in Deutschland. Piketty kommentiert:

After unification, the German governments were very afraid of a drop-off in the competitiveness of the German production site‘. They adopted wage-freeze policies to increase productivity and they probably went too far in this direction. At the same time, the entry of Central and Eastern European countries into the European Union enabled German firms to achieve an increased and highly advantageous integration with these new countries. This can be seen in particular with the explosion of the general level of imports and exports, which were very similar to the level in France in 2000 (close to 25%-30% of GDP) and which in 2015 rose to 40%-45% of GDP in Germany (as compared with 30% in France; see the graph above).

This all led to a trade surplus which was doubtless not entirely foreseeable and is in large part due to contingent factors. In its own way, it is an illustration of the strength of the economic forces at play in globalisation which public authorities have not yet learnt to regulate correctly.

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Shiva–Paris und Riehen

Shiva Bronze

     Shiva Guimet                                                                                                               

Links der Shiva, gekauft Ende November in Bombay, gegossen gemäss Händlerangabe in den vierziger Jahren des letzten Jahrhunderts, rechts der Shiva im Musée Guimet in Paris, ca. 12. Jahrhundert. Die Position ist dieselbe. Die Höhe, ca. 50 cm, ist ebenfalls fast gleich. Sie stammen beide aus der Gegen des heutigen Tamil Nadu. Die alte Bronze stammt aus dem Chola Reich.

Mein Shiva hat nicht die selben, selbstverständlichen und überzeugenden Proportionen wie jener aus Paris. Der Kopf scheint etwas in die Länge gezogen, die Beine zu schlank. In der Realität sieht der Riehener Shiva aber besser aus als der Pariser.

Das Guimet hat eine kleine, aber exquisite Sammlung an Chola Bronzen, aber aufgestellt sind sie sehr ungeschickt. Es handelt sich ausschliesslich um Rundplastiken, sollten also von allen Seiten einsehbar sein. Aber die Ausstellungsverantwortlichen haben es in der Tat fertig gebracht, einzelne Vitrinen direkt an die Wand zu stellen oder so nahe nebeneinander, dass nur die Front gut einsehbar ist.

Album

Twombly im Centre Pompidou

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Das Centre Pompidou beging am 4. Februar 2017 sein 40jähriges Bestehen (!). Es hat den Test der Zeit nicht bestanden. Es altert schlecht und wirkt altmodisch, aufdringlich und seine Architektur ideologisch motiviert. Es sprengt die Dimensionen des Viertels.

Im fünften Geschoss die Sonderausstellung Twombly mit Werken aus allen Schaffensphasen, darunter die grossformatigen letzten Bilder mit ihrem expressiven rot/gelb.

Die frühen Arbeiten sind weniger als definitive Werke sondern vielmehr als Prozesse des Suchens, Entwerfens, sich Vortastens zu lesen. Und bei aller Intellektualität eine kindlich anmutende Naivität vermuten lassen, mit einer stets gleichbleibenden Handschrift. Woher die Attraktivität gerade dieser Bilder kommt, ist schwer zu verstehen, aber sie ist unzweifelhaft da.

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Album

Sammlung Chtchoukine in der Fondation Vuitton

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Auf vier Etagen die Sammlung, schlicht überwältigend. Jeder Raum eine vollwertige Ausstellung für sich: Monet, Cézanne, Gaugin, der frühe Picasso, Matisse, die Konstruktivisten, und dabei diverse Künstler, heute vergessen, aber von nicht minderer Qualität.

Unvergleichlich der Gaugin, eine Szene vor byzantinischem Goldgrund, ein tiefreligiöses Werk. Schwierig, sich danach noch auf anderes zu konzentrieren.

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Fondation Louis Vuitton

efa042b7-442d-42e3-899e-4304d8ebe4d3Ein Bau wie kein anderer. Ein von aussen kaum sichtbares Inneres, überdeckt von Glasflügeln, jetzt farbig dekoriert von Daniel Buren. Den Bau zu betreten, in ihm umherzugehen, macht Freude und glücklich. Was mehr kann ein Gebäude? Diese freudenspendende Qualität eines Baus ist mir erstmals klargeworden 1974 in New York beim Besuch des Wohnhauses eines früheren amerikanischen Präsidenten in einem Ort am Hudson. Der Bau, ganz simpel und unauffällig, hatte so wunderbare Proportionen, strahlte eine solche Heiterkeit und Selbstgewissheit aus, dass man sich als Besucher darin einfach wohlfühlen musste. Die Fondation Vuitton ist von ganz anderem Zuschnitt, eine ingenieurmässige Meisterleistung, ohne die die Architektur ein Entwurf auf Papier hätte bleiben müssen. Ein Jahrhundertbau.

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Album

Jarmusch–Paterson

Ein poetischer Film über Poesie.

Was Jarmusch leistet ist die Darstellung einer Sehweise, keine geringe Leistung. Poesie als Welterfahrung, real nachvollziehbar, wenn auch leider nur von kurzer Wirkungsdauer.

Atelier, 30.1.2017, nachher Essen in der Kunsthalle, mit Isabelle, Peter Früh getroffen mit Freundin. Erzählt von der Geige, die er gekauft hat, französisch. Ich frage, wieviel? Er zögert, dann: 65’000. Aber sie nähme dauernd an Wert zu. Und er habe jeden Tag Freude an ihr.

                         William Carlos Williams            

This is Just to Say

I have eaten the plums
that were in the icebox

and which
you were probably
saving
for breakfast

Forgive me they were
delicious so sweet and
so cold

 

The Act

There were the roses, in the rain.
Don’t cut them, I pleaded.
                  They won’t last, she said.
But they’re so beautiful where they are.
Agh, we were all beautiful once, she
                   said.
and cut them and gave them to me in
                    my hand.

Die Tathandlung

Da standen die Rosen im Regen.
Ich bitt dich, schneid sie nicht ab.
                   Sie werden sich nicht halten, sagte sie.
Aber sie sind so schön,
                   wo sie sind.
Ach, schön waren wir alle einmal, sagte sie,
und schnitt sie und gab sie mir in
                  die Hand.

  Übersetzung: H.M. Enzensberger